24. Französische Filmtage

21.11.–28.11.2018

Passage, Schaubühne Lindenfels

www.franzoesische-filmtage.de




Bild: PHOTO DE FAMILLE

Vielfalt und Zusammenhalt mit 80

Ein Blick auf die 24. Französischen Filmtage

Um Fragezeichen vorzubeugen: Klar schielt jene 80 nicht schon auf die Französischen Filmtage, da steht ja erst eine jugendlich-frische 24 auf dem Alterszettel. Aber Jean Seberg hätte dieses Jahr ihren 80. Geburtstag begangen – Grund genug, der eine ganze Generation prägenden Stil-Ikone nicht nur (zusammen mit Jean-Paul Belmondo) das diesjährige Plakatmotiv zu schenken, sondern ihr obendrein eine Retrospektive zu widmen. Dort zu sehen sind Klassiker wie AUSSER ATEM oder BONJOUR TRISTESSE, gleichzeitig spannt die Rückschau mit FRÜHES VERSPRECHEN (der Sebergs Mann Romain Gary nachspürt) einen Bogen zum gegenwärtigen Kino. Bei freiem Eintritt rundet die Doku JEAN SEBERG FOREVER das Porträt ab.

Ebenfalls 80 wäre Romy Schneider geworden, weswegen der Arthouse-Liebling 3 TAGE IN QUIBERON erneut zu erleben ist. Dagegen zählt Jean-Pierre Bacri mit seinen 67 Lenzen annähernd als junger Hüpfer – der vielseitige Komödiant repräsentiert diesmal „Frankreich – Deine Gesichter“ und erheitert unter anderem nochmals im Publikumserfolg DAS LEBEN IST EIN FEST. Wieder findet sich da zudem die Verbindung zwischen Älter und Brandneu, Bacri gehört neben Zahnlückenfee Vanessa Paradis zum Ensemble des feinsinnigen Eröffnungsfilms PHOTO DE FAMILLE. Darin geht es um drei konträre Geschwister, welche ein familiärer Todesfall dazu animiert, sich selbst und gegenseitig zu reflektieren.

Gestandene 19 Previews vereint die vorliegende 24. Ausgabe, allesamt bedacht und leidenschaftlich ausgewählt, erwähnt seien bloß einige wenige Beispiele: Um jüngere Zuschauer anzusprechen, bittet der menschgewordene Tabubruch Gaspar Noé zum CLIMAX aus Drogen, Sex und Gewalt, was Malte Springer von der Schaubühne Lindenfels „eine tolle Erweiterung“ des eh starken Programms nennt. Weitaus subtiler verfolgt DIE POESIE DER LIEBE  den gemeinsamen, von Geheimnissen und großen Gefühlen geprägten Lebensweg eines Paares, während Catherine Deneuve in DER FLOHMARKT DER MADAME CLAIRE ihre gesamte Habe verkauft, weil sie meint, sterben zu müssen – lediglich der Beginn manch’ tragikomischer Verwicklung. Überhaupt gibt’s mächtige Starpower: Lambert Wilson und Kristin Scott Thomas bringen DER KLAVIERSPIELER VOM GARE DU NORD zum Leuchten, erzählt wird eine Geschichte über schlummerndes Talent, mächtige Musik und menschliche Zugewandtheit. Ein Wiedersehen mit Audrey Tautou verspricht LIEBER ANTOINE ALS GAR KEINEN ÄRGER – eine Kommissarin möchte dem zu Unrecht verurteilten Titelhelden nach dessen Entlassung helfen, was emotionales Chaos verursacht. Und Vincent Lindon untersucht als für den Vatikan tätiger Reporter DIE ERSCHEINUNG, wenn er nicht gerade den STREIK durch Jobverlust bedrohter Arbeiter anführt.

Zwecks Einbeziehung wirklich jeder Altersgruppe gastiert natürlich in beiden Spielstätten das Jugendfilmfestival Cinéfête, welches Interessierten in der 19. Ausgabe seine Pforten öffnet, darüber hinaus feiert DER KLEINE SPIROU seinen – Sie ahnen es – 80. und kommt daher realverfilmt auf die Leinwand. Weniger jugendaffin hingegen die neue Reihe „Am Leben bleiben“, deren thematische Ausrichtung der Nachsatz „Über Menschen in Zeiten des Krieges" verdeutlicht. Tatsächlich stehen statt Bildern aus den Schützengräben humane Einzelschicksale im Fokus.

Passage-Chefin Petra Klemann beschwört sympathisch heimatverbundene Einigkeit: „Leipziger halten zusammen!“ Und auch darum verbringen hoffentlich viele von ihnen hier acht aufregende Tage …

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...


Lesezeichen:


Aktuell im Programm.


Ersten Kommentar schreiben zum Thema




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.