5. chai. China-Filmfestival

14.02.–17.02.2018

Cinémathèque

www.konfuziusinstitut-leipzig.de




Bild: PLEASE REMEMBER ME

Schicksale zwischen Müll und dem großen Vergessen

Ein Blick auf das 拆 chai. China-Filmfestival

… das sich zum kleinen Jubiläum (die fünfte Ausgabe) dem Anlaß angemessen Zeit nimmt – statt dreier sind es vier Tage, in denen insgesamt neun Filme einen intensiven Blick auf Land und Leute werfen.

Zur Eröffnung zeigt PLASTIC CHINA, daß China quasi als Müllkippe für den Rest der Welt fungiert, Plastikabfälle in gigantischem Ausmaß importiert. Zwar nicht mehr ganz aktueller Stand, dies mindert allerdings nie den dringlichen Nachhall der Doku. Sie begleitet zwei Familien, den Chef eines von unzähligen Recyling-Unternehmens nebst Anhang sowie dessen Angestellten inklusive vieler Kinder. Informationen werden nahezu keine übermittelt, die private Sicht steht im Fokus und funktioniert: Wenn man bloß fünf bis sechs Dollar am Tag verdient, sind deren 65 für einen Monat Schule unerschwinglich. So bleibt der Nachwuchs ungebildet und in den Müllbergen gefangen – ein Teufelskreis. Ganz zu schweigen von versagten Freuden, ramponierter Eigenwahrnehmung und gesundheitlichen Risiken.

Ein altes Ehepaar porträtiert dann PLEASE REMEMBER ME: Sie, Lou, leidet unter Demenz, erkennt niemanden außer ihrem Mann Feng, welcher sich liebevoll kümmert, indes unter der Last zusammenzubrechen droht, zumal er ebenfalls schwer erkrankt; ein Umzug ins Heim bietet die einzige Lösung. Immer respektvoll begleitet die Regisseurin Großonkel und -tante über drei Jahre hinweg, komprimiert das Material zur enorm anrührenden Geschichte zweier Individuen, die ohne einander kaum existieren können.

In THE PRIESTESS WALKS ALONE möchte hingegen eine Filmemacherin die entfremdete Mutter kennenlernen. Mama, recht androgyn und burschikos, verließ früh den Gatten und führte seither Beziehungen mit Frauen. Einige dieser Ex-Partnerinnen kommen zu Wort, helfen der Tochter zu begreifen. Schließlich ein offenes Gespräch am Küchentisch – ewig Gehütetes kommt ans Licht, Schreckliches zur Sprache, Tränen fließen. Ist es möglich, die Vergangenheit ruhen zu lassen, neu zu beginnen? Das Werk läuft im Doppel, A STRAIGHT JOURNEY stellt den anderen Part, widmet sich den Erlebnissen Homosexueller in China. 22 zu kurze Minuten können da keine humanen Tiefen ausloten, sie teasern allerhand bekannte Themen lediglich oberflächlich an. Ironischerweise benennt der abschließende Regie-Kommentar das Problem selbst: „I Think There’s A Lot More You Can Talk About.“

Nach solch’ dokumentarischer Vielfalt muß aber natürlich auch der Spielfilm Berücksichtigung finden, was zu KAILI BLUES überleitet. Hier geht’s um Chen, als Arzt in einem Hospital tätig und auf der Suche nach seinem vor langer Zeit ausgesetzten Neffen. Es beginnt eine Odyssee durch unwirkliche Welten, bevölkert von adäquaten Menschen … Bis sich die zweite Hälfte ideenreich, inszenatorisch kreativ und sehr originell direkt ins Zuschauerherz schleicht, gilt es, den ersten Teil auszuhalten. Selbiger hinterläßt eher den Eindruck, Regisseur/Autor Gan Bi hätte Tarkowski und Buñuel ehren wollen, sich daran jedoch brutal verhoben.

Weitere Filme zeigen, wie Rindviecher in den Hungerstreik treten, Männer das Großstadtglück bzw. Afrikaner ihren (Arbeits-)Platz suchen, außerdem komplettiert eine animierte schwarze Komödie das Programm. Zudem vertiefen Publikumsgespräche wie gewohnt ausgewählte Vorführungen. Also, auf die nächsten fünf!

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...


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