D 2022, 85 min
FSK 12
Verleih: Salzgeber

Genre: Schräg, Komödie

Darsteller: Sophie Rois, Jeremy Mockridge, Martha Mechow

Regie: Max Linz

Kinostart: 01.09.22

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L’état et moi

Reise durch Absurdistan

Es ist eine Groteske vom Feinsten und das mit Starbesetzung. Denn Sophie Rois spielt gleich zwei Rollen: Einmal mimt sie die Gerichtspräsidentin Josephine Praetorius-Camusot in weißer Bluse und mit großer Hipsterbrille, die das Strafgesetzbuch im Gegensatz zu ihrem Amtskollegen noch liberal interpretiert. Parallel spielt sie Hans List, den Komponisten (obwohl alle immer Kommunist verstehen), der per Zeitreise aus der belagerten Pariser Kommune Ende des 19. Jahrhunderts ins Heute gerutscht ist.

Denn das ist der große Clou des Films: Der Filmemacher Max Linz mäandert zwischen Zeiten und Welten, und der Zuschauer muß sich erst mal verorten, was, wenn er es einmal geschafft hat, auch sehr witzig sein kann. Die Gerichtspräsidentin klagt sich im Grunde selbst an. Denn List, den es irgendwie als Ausstellungsexponat in ein Museum der Gegenwart verschlagen hat, aus dem er dann entflieht und auf der Theaterbühne als Statist in seinem eigenen Stück auftritt, findet sich vor Gericht wieder, weil ihm der durchgeknallte Oberwachtmeister die absurde Story natürlich nicht glaubt. Und am Ende ist alles irgendwie absurd, das Personal ebenso: der debile Rechtsreferendar Yushi, der vom Stuhl fällt, sowie die Cellistin Martha, die sich dann doch in List und nicht ihn Yushi verliebt.

Das Problem: Vor lauter Absurdität, durchgeknallten Dialogen und schrägen Begebenheiten geriet die Wahrscheinlichkeit zu groß, den Anschluß zu verlieren und sich im Nirwana des an sich komischen Films zu verirren. Daß Linz die Genese und Widersprüche unseres juristischen Systems aufs Korn nimmt, gerät durch Überziehung ein Stück weit ins Hintertreffen. Eigentlich schade.

[ Claudia Euen ]