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Like It Is

Rauh und sensibel erzähltes schwules Coming Out

Blut spritzt. Doch Craig hält durch, denn er lebt von den illegalen Hintergassen-Boxkämpfen. Mit seinen 21 Jahren gehört er zu den jüngsten Boxern. Selbst mit alten, ausgemergelten Körpern wird in der Gosse von Blackpool Geld gemacht. Doch die Könige der Pflasters sind junge, kraftvolle und daher akzeptierte Burschen wie Craig. Er spürt schnell, daß ihm die Kämpfe nicht genügen: weder körperlich noch geistig.

Es zieht ihn in die Clubs nach London, wo der dem smarten Matt, einem DJ und Musikmanager begegnet. Bei ihm kann er sich als schwul outen und nach einer ersten, für ihn eher katastrophalen Nacht mit Matt beschließt er, sein Kaff zu verlassen und sich in der Szene von Soho auszutoben. Der anfänglichen Euphorie in der Beziehung der beiden folgt bald die ernüchternde Realität. Matt ist ständig unterwegs um Boygroups aufzubauen, Konzerte zu organisieren und Craig beginnt sich zu langweilen. Die Kluft wird größer und dann kommen andere Jungs und die zerstörerische Eifersucht...

Paul Oremland scheut sich nicht, dem Film gegen schwule Mainstream-Sehgewohnheiten einen teilweise sehr rauhen Ton zu geben. Das macht ihn authentischer als unzählige rosarote coming out-Seifenblasenfilmchen. Gott sei Dank gelingt es ihm aber auch, das erste Verliebtsein leichthändig genug zu inszenieren, aber eben so geschickt, daß der enttäuschende Fall nicht zum unglaubwürdigen Kontrast verkommt.

Zu beglückwünschen ist Oremland unbedingt für die Besetzung des Craig mit Steve Bell. Durch seine Erfahrungen im Boxgeschäft verleiht der junge Akteur seinem Charakter eine unglaubliche physische Präsenz, und ihm gelingt ohne Einschränkungen die Mauserung vom naiven Szeneneuling zum vorerst desillusionierten und dann weitaus reiferen Mann.

Originaltitel: LIKE IT IS

GB 1998, 93 min
Verleih: Salzgeber

Genre: Drama, Liebe, Schwul-Lesbisch

Darsteller: Steve Bell, Ian Rose, Roger Daltrey

Regie: Paul Oremland

Kinostart: 04.05.00

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.