Originaltitel: SUPERMENSCH: THE LEGEND OF SHEP GORDON

USA 2013, 85 min
FSK 12
Verleih: REM

Genre: Dokumentation, Biographie

Regie: Mike Myers

Kinostart: 18.09.14

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Supermensch – Wer ist Shep Gordon?

Steckt noch ein Zwerg im Riesen?

Wer ist denn nun Shep Gordon? Kein Wunder, daß der deutsche Verleih den unmißverständlichen Originaltitel THE LEGEND OF SHEP GORDON in eine Frage geändert hat. SUPERMENSCH indes verweist auf Gordons jüdische Wurzeln, mitnichten auf eine unsachgemäße Überhöhung seiner Person. Obwohl …

Das Wort vom „Supertyp“ fällt indirekt einige Male in diesem Film, mit dem Schauspieler und Regienovize Mike Myers dem Freund ein Denkmal setzt. Verrückt und, mit heutigen Maßstäben gemessen, beschämend ist die Tatsache, daß Gordon keinen eigenen deutschsprachigen Google-Eintrag hat. Unglaublich, wenn man die gut geölte Suchmaschine ernst nehmen will. Denn, um auf die titelgebende Frage zurückzukommen, Shep Gordon ist eine Legende unter den Musik- und Unterhaltungskunstproduzenten in den USA und damit weltweit.

Einen Handstreich kostet es Mike Myers, um gleich im Sekundentakt eine Handvoll namhafte Menschen zu zeigen, mit denen Gordon zu tun hatte, dicht und lose, privat-freundschaftlich und dienstlich-sperrig oder alles zusammen: Die Musiker Alice Cooper (den er über 40 Jahre managt), Mick Fleetwood, Teddy Pendergrass, Steven Tyler, Schauspieler Michael Douglas, Komiker Groucho Marx, Starkoch Roger Vergé (Gordon erfand schlechthin die Nebentätigkeit „Fernsehkoch“), der Dalai Lama und die Filmproduzentin Carolyn Pfeiffer. Mit Sharon Stone verband ihn eine Romanze, bei Renée Loux lernte er, Rohkost zu essen, bis ihn ein Darminfarkt ereilte. Shep Gordon lebte schnell und hat überlebt. Könnte gut sein, er läßt auch uns ein, wenn wir ihn höflich fragen, in seinem Haus auf Hawaii zu nächtigen. Ein Kumpeltyp soll er sein, einer, der das Kungeln beherrschte, um Erfolg zu landen. Einer, der über andere nie ein schlechtes Wort verlieren mußte, um verehrt zu werden, der irre Partys schmeißen konnte und, wenn er die Nase voll hatte, einfach ins Bett ging, statt die Gäste rauszuhauen.

Daß er nicht mit dem Kopf gedacht hat, sondern mit einem Körperteil „weiter unten“ (Douglas), daß Drogen keine Spielverderber waren, und daß Shep Gordon den „Geruch von Babies mag“, ohne bis heute eigene Kinder zu haben, ist in flott bis wirr geschnittenen, zwischen Anekdoten, Archivbildern, Spielszenen und Interviews umherhechtenden 85 Minuten ebenso zu erfahren wie Gordons Spekulation, es sei „vielleicht doch noch ein kleiner Zwerg in mir.“ Sehr amerikanisch, das Ganze!

[ Andreas Körner ]