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The Sapphires

Kantenloses Funkeln

Man kann vorab Entwarnung geben: Selbst wenn gleich der Filmbeginn darüber informiert, daß die Aborigines noch in den 60ern und 70ern unter „Flora und Fauna“ fielen, und ihre Kinder von Weißen häufig zwangsadoptiert wurden, handelt es sich hier um kein düsteres Drama. Sondern ein Biopic ist’s geworden, eine luftige Angelegenheit, bei der auf jedem Reibungspunkt der Abschliff fußt. Mit Erfolg?

Tja, zunächst eher nicht, zumindest für Gail und ihre Familie – beim Talentwettbewerb reicht’s der Abstammung wegen nicht zum Sieg, obwohl die anderen Teilnehmer, allesamt weiß, bloß furchtbares Zeug zusammenklampfen. Was Dave, auch ein Weißer und somit grundsätzlich kritisch zu beäugen, nicht daran hindert, die Mädels in heiße Fetzen zu stecken, Bühnenrollen á la „The Sexy One“ oder „Leadsängerin“ zu verteilen und fortan als Manager zu fungieren. „The Sapphires“ sind geboren, es folgt ein kometenhafter Aufstieg!

Und wie zu erwarten, sitzt da nicht nur jedes Löckchen perfekt, sondern auch das Drumherum: Klar ist Dave zwecks Konfliktpotential Bruder Alkohol etwas sehr freundschaftlich zugeneigt, natürlich dient der Vietnamkrieg eigentlich bloß dazu, ein bißchen heroische Stimmung anzufachen, logischerweise verbirgt Dickschädel Gail ein butterweiches, gierig nach Liebe dürstendes Herz. Sogar Cousine Kay, eines der entführten Mädchen und mittlerweile von Tupperparty-Haarspray-Plinsen komplett vereinnahmt, braucht bloß Sekundenbruchteile, um sich wieder ihrer Herkunft zu besinnen. Alles zusammen drückt kräftig den „Bitte seufzen/lächeln/weinen Sie ... jetzt!“-Knopf bis zum gnadenlos kalkulierten Anschlag, ohne jemals den Versuch zu unternehmen, Vorhersehbarkeiten zu umgehen.

Aber trotzdem, man höre und staune: Vielleicht ist es der tief verwurzelte Wunsch, wenigstens im Kino mal für zwei Stunden an Wunder glauben zu dürfen, eventuell ziehen Erfolgsgeschichten sowieso immer, und ganz sicher tragen die wirklich perfekt besetzten Darsteller sowie mitreißenden Songs ihren maßgeblichen Teil dazu bei. Woran es nun auch konkret liegen mag – was realistisch betrachtet stets das angedeutet stilisierte Kunstprodukt bleibt und so entschlossen auf glitzerige Oberfläche getrimmt wurde wie eben die als Bandnamen gewählten Edelsteine, kommt letztlich genau damit als unterhaltsames Wohlfühlteilchen recht blessurenfrei durch. Ziel erreicht ...

Originaltitel: THE SAPPHIRES

Australien 2012, 103 min
FSK 6
Verleih: Senator

Genre: Biographie, Musikfilm

Darsteller: Chris O’Dowd, Deborah Mailman, Jessica Mauboy, Shari Sebbens, Miranda Tapsell

Regie: Wayne Blair

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...