D 2018, 143 min
Label: Absolut Medien

Genre: Dokumentation, Historie

Stimmen: Ulrich Noethen

Die Austreibung des armenischen Volkes in die Wüste

Nein, für einen lauschigen Abend auf der Couch mit Rotwein bei nettem Filmchen taugt diese Veröffentlichung wahrlich nicht und soll sie auch nicht, stellt sie doch eines der wichtigsten evaluierenden Zeugnisse moderner Barbarei dar: Es geht um den Völkermord an den Armeniern durch die Türkei, der als erster systematisch exerzierter Genozid des 20. Jahrhunderts gilt. Was den Juden die Shoah war, nannten die Armenier „Aghet“ – die größtmögliche Katastrophe, die Auslöschung eines Volkes.

Der Schriftsteller Armin T. Wegner kam als Krankenpfleger im Ersten Weltkrieg ins Osmanische Reich und gilt als der wichtigste Zeuge für den von der Türkei geleugneten Völkermord, denn Wegner fotografierte und notierte, was er sah: Seine Bilder und Notizen erzählen die Geschichte des Todes, berichten von der Geisteskrankheit des Krieges, und Wegner bündelte seine Erlebnisse über das organisierte Verrecken 1919 zu einem in der Urania gehaltenen Vortrag. Zum Anlaß des 100. Jahrestags lud das Filmmuseum Potsdam, um – als Vortragender konnte der Schauspieler Ulrich Noethen gewonnen werden – an dieses Szenario entfesselter Unmenschlichkeit zu erinnern, und um im Ansinnen Wegners vor den Dämonen der Gewalt zu warnen.

Dieser Vortrag bildet das Herzstück der DVD. Wegner schmuggelte mehr als 100 Fotos und arbeitete heraus, wie systematisch die Türkei an die Ausrottung von fast zwei Millionen Armeniern heranging. Wegner ergo Noethen erinnert an Schönheit, Fleiß und Weltoffenheit des armenischen Volkes, das erste übrigens, das den christlichen Glauben zur Staatsreligion machte. Die Armenier verkannten die Strategien der Türken zunächst, glaubten sie doch an ein einiges Osmanisches Reich, die Türken indes wollten den Orient rein türkisch sehen. Der perfide Plan der Ausrottung nahm am 24. April 1915 in der Verschleppung armenischer Intellektueller seinen Anfang. Kurz darauf die Massendeportationen in die syrische Wüste, ein mit unwirtlich noch schmeichelnd beschriebenes Land. Den Vertriebenen wurde versichert, hier ein neues Leben beginnen zu können, das Ziel der Türken war indes, sie dort elendig verhungern zu lassen.

Wer es überhaupt bis in die Wüste schaffte: Unzählige starben unterwegs an Hunger und Erschöpfung, wer sich wehrte, wurde erschlagen, Frauen erfuhren alle Grausamkeiten, die Kriege gebären können – man vergewaltigte sie und schnitt ihnen die Brüste ab. Ulrich Noethen ist eine gute Wahl in der Vortragsrolle Wegners, ist er doch einer der deutschen Schauspieler, die noch richtig sprechen können und in der Lage sind, ohne aufgesetztes Pathos Empathie zu zeigen. Beklemmung, Mitgefühl und Wut generieren sein Vortrag und die durch eine Laterna Magica projizierten Bilder. Und wenn Ortsnamen wie Aleppo fallen, einst prosperierender Ort, der letzte vor der großen Wüste, dann ist der Vortrag in seiner Anklage gegen die Grausamkeit aktueller denn je.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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