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Mutanten und Muonkel

[ 11.04.2021 ] Es ist so ziemlich genau ein Jahr her, daß im Zuge des ersten Lockdowns auch in Deutschland Kinos, Restaurants, Kulturstätten, Schulen etc. schließen mußten, ganze Berufsgruppen Arbeitsverbot erhielten, all dies aus Furcht, ein neuartiges Virus könnte uns den Garaus machen. Nun ist bisweilen bei etwas halbwegs Neuem aus gutem Grund erst einmal Vorsicht angebracht, daher waren sicherlich nicht alle der damaligen Maßnahmen komplett falsch und unverhältnismäßig, wenn natürlich, wie heute auch noch, durch die Aussagen der Politik und des Hauses RKI im höchsten Maße von Widersprüchen begleitet. Ein Jahr später ist die Lage katastrophaler als im Frühjahr 2020, was aber nicht an der exorbitanten Gefährlichkeit des Virus’ liegt, es liegt vor allem am Versagen der Politik (und auch der Gesellschaft). Im Normalfall lernt der Mensch dazu, das ist leider ausgeblieben, was sich durchaus als verknapptes Fazit über das völlig aus dem Ruder gelaufene Herumstümpern der Bundesregierung in der Krisenbewältigung ziehen läßt.

Man wußte ja bereits im Mai des vergangenen Jahres, daß der komplette Garaus eben doch nicht bevorsteht, daß das Virus nachweislich nur für einen sehr geringen Bruchteil der Bevölkerung überhaupt lebensgefährlich werden kann, daß man mit dem Virus durch einige, über einen gewissen Zeitraum ergriffene Maßnahmen ganz gut zurechtkommen könnte. Könnte! Wenn man denn wollte. Die Bundesregierung wollte es nicht und konnte es auch nicht. Und kann und will es noch immer nicht. Deren Methoden, das Volk in Schach zu halten, sind seit einem Jahr die gleichen: unbotmäßig Angst schüren, die Gesellschaft spalten, Grundrechte vermutlich auf Dauer kassieren, kritische Stimmen zum Schweigen bringen, mit pädagogischem Dauermahnfinger und Bußgeldern drohen, eher auf lebensfremde Berater mit ihren schnöden Rechenmodellen setzen, als auf Menschen hören, die vom Fach und vom Leben da draußen etwas verstehen.

Man muß es ob des traurigen Jahrestags wiederholen: Trotz der Erkenntnis, daß das Virus bis auf bedauerliche, aber an sich leider übliche Ausnahmen, vor allem für vorerkrankte Hochbetagte lebensgefährlich werden kann, hat man im Prinzip nichts getan, um diese Bevölkerungsgruppen wirksam zu schützen (und ich spreche nicht von der menschenverachtenden Isolation in ohnehin häufig genug menschenverachtenden Altenheimen), man setzte und setzt noch immer viel lieber auf Sippenhaft, hält den Angstpegel hoch, fieberträumt zunehmend willkürlich Inzidenzzahlen zurecht, treibt immer wieder neue Säue durchs Dorf, Kollege Henryk M. Broder munkelte ja schon, daß auf die Mutanten wohl auch bald die Muonkel folgen ...

Weltweit, was Deutschlands Hampelei nicht entschuldigt, hat man sich zur Bewältigung der Krise neben dem Wegsperren der Menschen und dem drohenden Kollaps des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens offensichtlich nur zu einer weiteren drastischen Maßnahme entschieden: das Durchimpfen aller mit im Stolpergalopp zusammengebrauten Impfstoffen. In Deutschland klappt natürlich noch nicht einmal das ... Wobei das jedoch eher gute Umstände sein könnten, denn jeder, der sich einen längeren Moment Zeit nimmt, um offizielle Corona-Zahlen des Bundesamtes für Statistik aufmerksam zu lesen und zu verstehen, dem stellt sich, was das verkrampfte Durchimpfen aller anbelangt, zwangsläufig nur eine Frage: „Warum?“ Die Alten sind so ziemlich durchgeimpft, oft auch gegen deren Willen, die aktuellen Erkrankungen sind weniger schwer, die Todeszahlen niedriger, die Krankenhäuser und Intensivstationen alles andere als überfüllt ...

Virologen, Epidemiologen und auch Politiker wie die Kanzlerin Angela Merkel haben zu Beginn der Krise immer wieder gepredigt, um das Virus in Griff zu kriegen, reiche eine Immunität von 60 Prozent der Bevölkerung. Der Druck aber, der aktuell immer verschärfter ausgeübt wird, paßt nicht zu diesen Aussagen und läßt sich tatsächlich nur mit dem Ziel erklären, daß wirklich jeder von uns diese Hauruck-Impfung verpaßt bekommen soll. Über Sinn und Unsinn der Impfung aller ist in den üblichen Medien derzeit leider noch wenig zu lesen. Apropos: Was das mediale Nachplappern in der Bewertung von Sterbenden angeht, darf man sich anhaltend über kuriose Auslegungen wundern. Stirbt ein vorerkrankter Mensch an/mit/durch Covid, ist wirklich immer das Virus schuld. Stirbt jedoch einer aktuell an den Folgen der Impfung, dann sind es allein die Vorerkrankungen. Putzig, nicht?

Aktuell jubelt die EU-Stümperpräsidentin Ursula von der Leyen, daß in Europa Geimpfte endlich bald wieder sicher reisen dürfen, und nicht nur das! Durch das von ihr und den europäischen Staaten erdachte grüne digitale Zertifikat holt sich Europa gar seine ursprüngliche Lebensweise zurück. Prima, denn wenn die Idee Europas zukünftig mit tiefer gesellschaftlicher Spaltung verknüpft sein soll, dann möchte ich Uschi herzlichst zur Planübererfüllung gratulieren.

Wir wurden und werden von der Politik, mit Absicht, in Willkür oder eben doch aus Dummheit und Lebensfremdheit an der Nase herumgeführt, jeder, der sich nur im größeren Bekanntenkreis mal umschaut, wird doch bestätigen müssen, daß die Seuche nicht mal im Ansatz derart wütete oder noch immer wütet, wie es Politik und zum Großteil öffentlich-rechtliche Medien (bis auf wenige rühmliche Ausnahmen) uns seit 12 Monaten eintrichtern wollen. Es ist da, klar, kein Mensch braucht das Virus, aber es zieht doch nicht durch die Welt wie einst die Pest durch Europa! Ein halbwegs normales Leben ist auch jetzt möglich, ich schrieb darüber, und wer sich informiert über das Leben in anderen Ländern, wird das bestätigt bekommen. Aber in Deutschland wird einem das freudlose, aber doch so notwendige Verharren in der Todeszone als alternativlos vorgegaukelt ...

Erst in dieser Woche drückte Berlins ewig furchtsamer Bürgermeister Michael Müller wieder zittrigen Fußes und mit üblich verkniffener Miene auf das Angstpedal, wonach eben unter anderem die Kinos auch in Berlin für unbestimmte Zeit geschlossen bleiben müssen, weil wir ja in einer „schwierigen Situation sind, in der man sich weitere Dinge nicht zutrauen könne.“ Puh! Und natürlich kommt in solchem Moment sofort wieder die Laborheulboje Christian Drosten ums Eck. Waren es vor wenigen Wochen die 40jährigen, die Grund seiner größten Sorge waren, prognostiziert er für Ostern, daß es für nichtgeimpfte 50jährige sehr brenzlig werden könnte. Na dann, schön aufpassen und schnell noch piksen lassen, Herr Doktor.

In der Presse und auch bei einem zunehmend größeren Teil der Gesellschaft scheint sich zwar, überfällig, aber vielleicht doch schon zu spät, die Sicht auf die Dinge zu ändern, wir können es einfach nicht leugnen, daß wir vor einem Trümmerhaufen stehen, den die Mehrheit von uns sehenden Auges in einem sportlichen Zeitraum von wenigen Monaten bereit war, einfach so hinzunehmen. Enttäuschung ist vielleicht der am besten treffende Begriff, um das zu beschreiben, was uns über Jahre noch lähmen wird. Von der Politik darf man ob der Übertreibung, Irreführung, gar Lüge und des Komplettversagens auf so ziemlich allen Ebenen enttäuscht sein. Das Vokabular konnte nicht saftig genug sein, von Gamechangern und Wellenbrechern war da die Rede, übrig blieb wie so oft allenfalls lauwarme Luft. Und weil nachweislich Lockdowns keine Linderung brachten und bringen, setzt die Politik aktuell und ab nächster Woche sicherlich noch einmal verstärkt worauf? Genau!

Enttäuscht darf man auch von einem Teil der Jugend sein, die sich in ihrem moralischen Absolutismus suhlt, der nichts anderes als affektierte Selbsttäuschung ist. Woher kommt denn auf einmal diese unbändige Sorge um ihre Omis und Opis? Eben noch haben die Alten tierisch genervt, die Jungen waren diese sauerkrautigen Wangeküßchen von Omi leid und verschanzten sich in tiefer Scham, wenn Opi wieder einen seiner Altherrenwitzchen bei noch jedem Familienfest zum Besten gab. Und nun schiebt man sie vor, um genau was zu tun und zu erreichen? Gutes? Eher nicht.

Enttäuschung zieht sich gewiß durch das ganze gesellschaftliche Spektrum, das größte Kopfschütteln aber löst die sogenannte Linke aus, gerade wenn man einen Teil derer gesellschaftlichen Visionen selbst mal ganz gut fand. Sie verkriechen sich hinter einer falsch verstandenen Idee von Solidarität, folgen speichelleckend den Ansagen der Obrigkeiten, die sie eben noch, diplomatisch formuliert, kritisch hinterfragten. Selbst für die Radikaleren gilt: Supermärkte abfackeln geht in Ordnung, für Verstand und Freiheit einzutreten, das haben sie nicht drauf. Und nur zur Vollständigkeit: Über den rechten Rand des gesellschaftlichen Spektrums läßt sich außer der üblichen Rattenfänger-Mentalität sowieso nix sagen, da gibt es also kaum Raum für Enttäuschungen.

Für alle, die sich nach einem Jahr Ausnahmezustand noch immer gegen gezielten Risikogruppenschutz und überfällige Eigenverantwortung aussprechen und daher eine Fortsetzung des Dauerlockdowns super finden, denen sei einfach mal gesagt: Wer Angst hat, darf tatsächlich gern zuhause bleiben. Denn, mein Gott, es ist nun wirklich nicht das Virus, das Arbeitsplätze und Existenzen zerstört, das für familiäre Zerwürfnisse und freundschaftliche Brüche sorgt, das sind die Resultate einer destruktiven, kopflosen und lebensfeindlichen Politik, und wir sind es, die sich wegducken und vielleicht erst erschrecken, wenn ein Leben in gewohnter europäischer Manier gar nicht mehr möglich ist und oder sein soll. Das Virus wurde zu etwas gemacht, was es nicht ist, nicht hergibt, aber dadurch, wozu es gemacht wurde, hat es eine Wirkung entfaltet und einen Schaden verursacht, den noch zukünftige Generationen auszubügeln haben. Das kopfschüttelnde Staunen der Geschichtsschreiber über das politische und gesellschaftliche Versagen dürfte uns sicher sein.

Wir müssen vor allem auch von uns als Gesellschaft enttäuscht sein, daß wir uns wider besseres Wissen das Leben zu einem freudlosen Dasein herunterrechnen haben lassen, daß wir uns um die Fähigkeit zur Meinungsvielfalt, des Diskutierens bringen haben lassen, daß wir andere Sichtweisen sofort in Ecken schieben, wo sie einfach nicht hingehören. Wir haben unsere vielfältigen Sehnsüchte nach Kultur, Bildung, Freiheit, Reisen und Geselligkeit verkümmern lassen, wir haben derzeit jede Albernheit, das Glückerkennen und allen Frohsinn verlernt, und wie flott das manchem durchs Herz und über die Lippen geht, gerade mit dem Aushalten anderer Meinungen, geht aus scheinbar harmlosen Äußerungen hervor, wie zum Beispiel jener des eher linksbürgerlichen Künstlers Rainald Grebe. Der sagte kürzlich und ohne den Anflug von Ironie über ein Gespräch mit einem Bekannten: „Er erzählte davon, daß die Diskussion um die Maßnahmen und um die Impfpflicht die Menschen spalten würde. Das hat mir zu denken gegeben. Prinzipiell ist Widerspruchsgeist gut, aber eben nicht in dieser Situation!“

Jede Menge Widerspruchsgeist wünscht allen
[ Michael Eckhardt ]

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Freiheit in anderer Sprache

[ 11.04.2021 ] Ich war in den letzten Wochen oft im Kino. Es liefen SOMMER 85, der neue, hinreißende Film von François Ozon, THE HUMAN VOICE, das kunstvolle, erstmals auf Englisch gedrehte Werk von Pedro Almodóvar mit Tilda Swinton in der Hauptrolle, einige Wochen vor der Netflix-Premiere galt es, NEUES AUS DER WELT auf der großen Leinwand zu erleben, wo der Film auch hingehört, und Anfang Februar wurde anläßlich des 100. Jahrestags seiner Uraufführung eine restaurierte Fassung von Charlie Chaplins humanistischem Meisterwerk THE KID geboten. Ich konnte zudem aus den pandemieverhinderten Blockbustern WONDER WOMAN 1984 und LITTLE THINGS mit Denzel Washington wählen, Anthony Hopkins empfand ich in THE FATHER als eine Wucht, und NEW ORDER (NUEVO ORDEN), der Venedig-Gewinner 2020, zog mir die Füße weg, in der bangen Hoffnung, daß die darin gezeigte Welt einer sehr nahen Zukunft nicht der Ort sein wird, zu dem wir gerade aufbrechen. Nach dem Kino ging ich in eine Bar oder ins Restaurant, tags darauf zum Sport, wenn mir danach war auch mal zum Shoppen ...

Nein, das ist kein schwitziger Corona-Fiebertraum, keine aufschneiderische Phantasmagorie, das ist gelebte Wirklichkeit in einem europäischen Land, in welches ich, raus aus dem deutschen Irrsinn, für eine Zeit geflohen bin, ein Land, welches die selbsternannte deutsche Weltpolizei bis eben noch als Hochrisikogebiet eingestuft hat: Spanien. Ohne Testgezerre, ohne Dauergängelei, ohne diese permanente Angstmaschinerie und gesellschaftliche Spalterei geht man hier seit Monaten einfach so ins Kino, ins Restaurant, ins Fitneßcenter oder in die Boutique, man betritt diese Orte als gesunder Mensch und verläßt sie als ebensolcher. Leben in all seiner Ungefährlichkeit. Und das soll in Deutschland nicht möglich sein? Das ist doch ganz grober Unfug, und der pathologisch geltungssüchtige Karl Lauterbach lieferte dazu passenderweise mal wieder das häßlichste Zitat der Woche, wonach Lockerungen bei uns so gar keine Rolle spielen werden. Das wünscht man sich auch in der Zukunft für Lauterbach! Den Vogel schoß der offensichtlich narzißtisch schwer gestörte Kerl ab, als er sich gänzlich humorlos in einer seiner unzähligen öffentlich-rechtlichen Therapiesitzungen doch tatsächlich wünschte, Merkels einziger Berater zu sein ...

Kluge Menschen der Historie haben oft genug erwähnt, daß es die Freiheit ist, die Vertrauen erst ermöglicht. Wer einen anderen beständig überwacht, gängelt, kontrolliert und zurechtweist, der muß nicht vertrauen, dem kann man auch nicht vertrauen. Der römische Politiker, Anwalt, Schriftsteller, Stadtredner und Philosoph Cicero bringt die aktuelle Politik mit seinem selbstbewußten Ausspruch in akute Bedrängnis: „Daß uns Vertrauen geschenkt wird, kann durch zwei Umstände verursacht sein; daß wir Klugheit in Verbindung mit Gerechtigkeit besitzen.“ Was also macht man mit jemandem, dem man genau wegen dieser Umstände nicht mehr vertrauen kann? Man entzieht ihm das Vertrauen. Und genau das sollte im großen Stil mit der Bundesregierung geschehen.

Es wurde nun ein Jahr lang übertrieben, Angst geschürt, gar gelogen, kritische Stimmen umgehend mundtot gemacht, lebensbejahende, konstruktive Vorschläge zur Lösung der Krise renitent ausgeschlagen. Der Eid zum Amtsantritt von Kanzlerin und Ministern beinhaltet, daß Schaden vom Volk abzuwenden sei. Diesen Schwur hat man allein durch vorgeblich alternativlose Lockdowns gehörig gebrochen. Der „Spiegel“ forderte als einer der ersten in der vergangenen Woche den Rücktritt von Jens Spahn und Angela Merkel, der „Focus“ legte nach, dessen Autor Jan Fleischhauer schrieb darin über Merkel: „Jeder Tag mit ihr an der Spitze ist für das Land ein verlorener Tag!“ Da ist was dran.

Das Problem jedoch ist, daß in den 16 Jahren ihrer Regentschaft, die von wohlmeinenden Beobachtern als eine Zeit des klugen Abwägens, von mir jedoch eher als eine des bräsigen Aussitzens und Mürbemachens bewertet wird, Merkel vor allem eines mit gehörigem Ehrgeiz betrieben hat: kantige Typen, kluge Köpfe, Leute, die ihr auch mal widersprechen, eigene, gar bessere Ideen haben könnten, auszubremsen, zu verbannen, zu vergraulen. Deswegen sind in den eigenen Reihen, aber eben auch bei der lauwarmen SPD nur noch austauschbare, uncharismatische, schwung- und ideenlose Ja-Sager und Konformisten übriggeblieben. Der Druck hinsichtlich eines Mannschafts- und Strategiewechsels wird größer werden, mitten im Sturm beweist sich, daß die aktuellen Leichtmatrosen leider nur Schönwetterpaddeln können.

Die letzten Jahre haben es jedoch gezeigt: In allen wichtigen Ämtern herrscht das Prinzip des Sesselklebens. Reichte es früher zur flammenden Empörung der Bürger und für den darauffolgenden Rücktritt eines Politikers, wenn sich einer wegen ein paar läppischer, zu Unrecht beanspruchter Bonusmeilen in Ungnade gebracht hatte, können die Verfehlungen heutzutage nicht groß genug sein und bleiben trotzdem ungesühnt. Man erinnere an verlorene Milliarden für Waffen, mit denen man nicht schießen kann (Ursula von der Leyen), oder an verlorene Milliarden für Flugzeuge, die einfach nicht fliegen wollen (Thomas de Maizière), und von den verlorenen Milliarden, die der eitle Verkehrsgeck Andreas Scheuer verbrannt hat, mal ganz zu schweigen. Das Altmaier-Desaster wegen zum großen Teil nicht ausgezahlter und schließlich geklauter Corona-Hilfen geht ebenfalls in Dimensionen, die der Dicke eigentlich nicht mehr wegdrücken und der Steuerzahler sowieso nicht hinnehmen kann, und der generelle Merkel-Stillstand kostet Menschen buchstäblich die Existenzgrundlage, dieser Schaden ist in Zahlen kaum noch meßbar. Ein Neuanfang, auch mittendrin in der Krise, scheint unausweichlich.

Es heißt von Manchem, ich solle nicht so viel schimpfen, schon deswegen sei einfach mal etwas Positives eingeflochten. Bei gestriger Zeitungslektüre wurde ich nämlich frohen Herzens Zeuge, daß unsere Kanzlerin so richtig fein zählen kann: „Das sind jetzt noch drei, vier schwere Monate: März, April, Mai, Juni.“ Einfach unsere Klassenbeste! Und weil eine Politik sicher nicht alles wissen kann, dann doch aber wenigstens auf andere hören sollte, die schon vom Fach her mehr verstehen, und ich meine dieses Mal nicht die Mathematiker mit ihren Freiheits-Rechenschiebereien, wollen wir derart Trostloses von der Chefin des Ladens nie wieder hören: „Wir versuchen jetzt, die Brücken zu bauen, aber wir wissen auch nicht, wohin wir die genau bauen. Also, das Ufer sehen wir ja auch nicht.“ Gute Nacht, Marie.

Um noch einmal kurz auf Spanien zurückzukommen: Die Regierung dort hat beileibe nicht alles richtig gemacht, im Gegenteil, das Land wurde monatelang durch einen unverhältnismäßigen Lockdown regelrecht an die Wand gefahren, es hagelt derzeit Insolvenzen, und man fordert noch heute von den Menschen das von allen seriösen Virologen als komplett unsinnig bezeichnete Tragen von Masken im Freien. Aber man gewährt den Menschen jetzt wieder die Freiheit, die selbstverständlich sein sollte, die für Deutschland mit den derzeitigen Entscheidern einfach nicht zu machen scheint.

Schließen möchte ich gerade deswegen mit den Worten eines scheinbar weitsichtigeren Konservativen: „Die persönliche Freiheit“, erklärte Konrad Adenauer auf dem zweiten Parteitag der CDU in der britischen Besatzungszone, „ist und bleibt das höchste Gut der Menschen!“ Das gilt in allen Sprachen.

Ein bestmögliches Durchkommen wünscht
[ Michael Eckhardt ]

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Fastenzeit

[ 11.04.2021 ] Versprochen, ich mach es heute kurz oder immerhin versuchsweise kürzer. Und bis nach Ostern auch überhaupt mal eine Pause. Denn im Prinzip ist alles gesagt. Daher nur so viel zur vergangenen Montagnacht: Das war mal wieder sprichwörtlich der Gipfel, diese illustre, halbdigitale und verfassungswiderrechtliche Kaffeerunde aus Kanzlerin und Ministerpräsidenten, die Tag für Tag mehr Gas geben, um sich dem Spott des Auslands auszusetzen, ihre Bürger zu knechten, uns zu Opfern ihrer Hybris zu machen und letztlich damit nur vom eigenen Versagen abzulenken.

Angela Merkel spielte mal wieder die knallharte Tante, drohte gar, den Sorgenmienenrat mit erpresserischem Machtgehabe zu unterbrechen, und überzog schamlos, als sie meinte: „Wir haben eine neue Pandemie! Die Mutation hat übernommen. Sie ist deutlich tödlicher und deutlich infektiöser.“ Den letzten beiden Sätzen möchte man kaum widersprechen, denkt dabei aber an etwas anderes. Das Problem bei Merkel ist doch: Sie muß nicht wiedergewählt werden, sie verläßt im Herbst den von ihr über nunmehr anderthalb Jahrzehnte in Richtung Tauchgang gesteuerten Kahn, und daher kann sie im Moment all ihre Virusbekämpfungslaunen an uns auslassen. Sie wird ganz sicher ihren Eintrag ins Geschichtsbuch bekommen, aber gewiß anders, als von ihr gedacht.

Eigentlich möchte man Merkel wie einem dicken Mädchen so knuffig in die Bäckchen zwicken und gleichsam reichlich Trost spenden, wenn sie bedauert, daß sie das Virus doch noch nicht besiegen konnte. Dieses kämpferisch entschlossene Wikinger-Gör glaubt scheinbar wirklich, daß das überhaupt möglich ist. Das stimmt einen dann schon tränentraurig. Wie übrigens die ganze Runde. Der Ur-Bayer Söder etwa, der trotz intensiver Warnungen der Bundesregierung, auf Reisen selbst im Inland zu verzichten, mal wieder bumsfidel nach Berlin tingelte, hatte wie üblich nur Kriegsrhetorik drauf („Unser klares Ziel ist, die Pandemie zu bekämpfen und sich ihr nicht zu ergeben!“). Sir, Yes, Sir!

Oder der kümmerliche Berliner Bürgermeister Michael Müller, der zwar auch als einer der wenigen in Echt neben Merkel hockte, im Einnicken aber wohl mal wieder nicht richtig zugehört hatte, als er gegen den verordneten Regentinnen-Sprech erwähnte, daß sich ja endlich Erfolge zeigten, gerade für die Älteren, sogar die Todeszahlen gingen zurück. Merkel hatte ihm daraufhin unterm Tisch garantiert mit einem ihrer kurzen fleischigen Beinchen gehörig ans Knie getreten. Müller machte überhaupt mal wieder dieses erbarmungswürdige Gesicht des Leidens, weswegen man ihm auch aufs Wort glaubte, wenn er bezüglich der Runde von einer schweren Geburt sprach ... Und unser Finanz-Olaf, ja, der Scholz, der saß wohl auch dabei, guckt sich aber eh immer wie ein Schluck lauwarmes Wasser weg.

Und selbst wenn Merkel zurückruderte und die angedachte „Ruhezeit“ wieder kassierte, allein, auf die Idee einer zusätzlichen „Ruhezeit“ zu kommen, zeigt doch, wie abgekoppelt die Regierung von den Nöten der Bevölkerung ist. Viele von uns sind seit Monaten zur Ruhezeit, zum Stillstand, zum Berufsverbot verdonnert, nichts mehr steht im Verhältnis in diesem Land. Das Zurückrudern Merkels war ohnehin nicht mehr als ein Zwischenakt politischen Schmierentheaters, und daß reflexartig unter Ministerpräsidenten und Hofberichterstattern von „Größe“ geraunt wurde, kann nicht davon ablenken, daß tatsächlich nur eine Entscheidung überhaupt in die Nähe von Größe käme: Wenn Merkel sich selbst vorzeitig eine Ruhezeit gestatten würde.

Es ist im Land vermutlich nur so ruhig, weil zum einen medial viel weggedrückt und mancher Protest ausgeblendet oder gefiltert wird, Journalisten nur zum Teil ihrer Pflicht nachkommen, und zum anderen, weil die Mehrheit der Leute entweder doch irgendwie weiterarbeiten kann, wie die Politik auch, oder aber über Kurzarbeitergeld halbwegs abgesichert ist, und wir uns außerdem einen extrem großen, sich unkündbar wähnenden und aktuell auch beim Nichtstun durch Lohndauerfortzahlung gepamperten Beamtenapparat leisten. Deutschland ist in vielerlei Hinsicht kein Land der Eigenverantwortung, es gibt bei 45 Millionen Beschäftigten gerade mal knapp vier Millionen Selbständige inkl. Soloselbständige. Also das waren die Zahlen zumindest bis zur Krise ...

Zur Eigenverantwortung und zur Lage im Land schrieb übrigens Ulf Poschardt von der „Welt“ treffend: „Die Regierenden, eine Kohorte überforderter Krisen-Nichtbewältiger, entfernen sich in der Pandemie immer weiter vom Wahlvolk. Nun, wo die Eigenverantwortung denunziert und der Freiheitsliebende verunglimpft ist, stehen die staatsgläubigen Bürger ungläubig vor den Ruinen ihrer Konfession und hadern.“ Mit erstaunlich scharfen Worten kritisierte übrigens auch der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, die Corona-Politik von Bund und Ländern, er attestierte ihr, wirklich gar nichts gelernt zu haben, all diese Treffen in illustrer Runde brächten nichts, ein Unternehmen auf dem freien Markt würde bei derartiger Stümperei keinen Monat aushalten, da würden umgehend Leute ersetzt, die Regierung aber betreibt weiterhin Unterlassungspolitik mit dem Lockdown. Er konkludierte: „Wir haben die falsche politische Führung!“

Ich würde gern noch präzisieren, denn es gibt wohl keinen besseren Zeitpunkt: Die vormals angedachten Ruhetage sollten unruhige Tage werden! Wir haben in zu vielen Sonnenscheinjahren diejenigen, die über uns richten, zu fettgefüttert, und jetzt ist einfach mal Fastenzeit ...

Trotz allem frohe Ostern und ein bestmögliches Durchkommen in leider kinofreier Zeit wünscht
[ Michael Eckhardt ]

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