Kino in Leipzig: Aktuelle News und Tipps zum Kinoprogramm

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Kein Kinojahr

[ 14.01.2021 ] Üblicherweise resümiere ich im letzten Newsletter vor der Pause zum Jahreswechsel gern ein wenig über das zurückliegende Kinojahr. 2020 aber verdient diesen Namen leider nicht, es ist schlicht, pardon, ein Jahr für die Tonne. Branchen wie Gastronomie, Tourismus und eben auch Kultur hat es zuerst durch angebrachte Vorsicht, dann zunehmenden Alarmismus und schließlich durch den völlig überzogenen, maßgeblich von Angst- und Panikmache geführten Zickzackkurs der Bundesregierung an den Rand ihrer Existenz geführt, für 2021 stehen die Zeichen leider kaum besser.

Die Politik lenkt anhaltend, mit schwerem Fuß auf dem Hysteriepedal, davon ab, daß wir es gewiß nicht mit einer Bedrohungslage nationaler Tragweite zu tun haben, vielmehr stehen wir durch Beratungsresistenz, Kenntnislosigkeit und Willkür vor dem Scherbenberg einer völlig verfehlten Gesundheitspolitik. Sippenhaft wurde dem Schutz von Risikogruppen unbelehrbar vorgezogen, das Ergebnis ist bekannt. Das Virus, auf das sicher jeder von uns gern verzichtet hätte, enttarnt doch vor allem ein Gesundheitssystem, das schlicht aus deppertem Marktkalkül um sein mögliches Funktionieren gerade in schwierigen Zeiten gebracht wurde. Man darf übrigens daran erinnern, daß ausgerechnet der krawalligste unter den „Experten“ noch in 2019 sich wie folgt äußerte: „Bei weniger Krankenhäusern hätten wir mehr Pflegekräfte, Ärzte und Erfahrung pro Bett und Patient und könnten auf überflüssige Eingriffe verzichten!“ Prima gerechnet, Karl!

Mein Respekt jedoch gilt allen Kinobetreibern und Filmverleihern, die es innerhalb der arg verknappten Möglichkeiten, die sich 2020 zwischen Juli und Oktober boten, immerhin versucht haben, ihrer Bestimmung nachzugehen, die an ihren Kulturauftrag und ihr Publikum gedacht haben. Jetzt, wo das gesellschaftliche und kulturelle Leben schon wieder durch Vollbremsung zum Stillstand verdonnert wurde, bleibt einmal mehr nur der klamme Trost, daß zumindest den meisten der Betroffenen Geld versprochen wurde. Wann es tatsächlich fließt, ob es für manche überhaupt noch rechtzeitig kommt, wird man in Kürze sehen.

Unserem Wirtschaftsminister, der eben noch von einem spürbar deutlichen konjunkturellen Aufschwung ab Oktober (2020!) träumte, geht nun die Phantasie gänzlich flöten. Zu Beginn der Krise im Frühjahr empfahl er indirekt uns und vor allem aber sich selbst, in dieser Zeit des befohlenen Stillstands doch einfach mehr für die körperliche Ertüchtigung zu tun, womit er an sich schon mal sichtbar krachend scheiterte. Nun rät er bräsig und müde den durch eine Politik der Strategielosigkeit angespannten Bürgern, zu Weihnachten doch einfach ein paar hübsche Gutscheine zu verschenken. Wofür auch immer, für wann auch immer ...

Ich möchte, der Online-Buchhandel ist beim Erscheinen der Zeilen hoffentlich noch nicht verboten, den Kinofreunden lieber eine Buchempfehlung einer sehr geschätzten PLAYER-Leserin anraten. Die knappe Schrift hat fast 500 Jahre auf dem Buckel und könnte genau jetzt nicht treffender sein: „Von der freiwilligen Knechtschaft des Menschen“ hat Étienne de La Boétie mit gerademal 20 Jahren geschrieben, klüger und punktgenauer läßt sich nicht beschreiben, wie wir derzeit das vielleicht wichtigste Gut der Menschen, die Freiheit, auch die des eigenständigen Denkens, in unbegründeter Furcht, falsch verstandener Solidarität und undemokratischer Obrigkeitshörigkeit zu Grabe tragen.

Allen PLAYER-Lesern, Kino- und Verleihpartnern ein gutes Weihnachtsfest in ausgewogenem Ungehorsam und daher mit den Liebsten, sowie einen trotz allem freudvollen Jahreswechsel wünscht
[ Michael Eckhardt ]