Riley

Es geht nicht allein darum, daß es mindestens seit der Digitalisierung, die preiswertes Filmen ja erst ermöglichte, wohl generell zu viele Filme gibt, es ist vielmehr so, daß es seit geraumer Zeit einfach zu wenige Filme gibt, die etwas Neues zu erzählen haben. Oder auf neuen Wegen.

RILEY gehört definitiv nicht zu diesen wenigen Filmen, im Gegenteil, Benjamin Howards Debüt tritt auf – pardon – extrem ausgelatschten Wegen mit dieser schwulen Leidensgeschichte, die er in einem schwierigen, da ländlichen und von American Football geprägten und somit per se testosterongefluteten Milieu ansiedelt. Dem Subgenre des Coming Out-Films weiß er nichts Neues hinzuzufügen, man ärgert sich über die Ideenlosigkeit, über das lustlose Aufblättern sattsam bekannten Geschehens, über das laienhafte Spiel außerdem und über jede fehlende Identifikationsmöglichkeit, weil die Protagonisten weder besonders sympathisch noch irgendwie reizvoll gezeichnet sind. Die Titelfigur Dakota Riley eingeschlossen, ein Spitzensportler, der komplett unter Druck steht – all diese übergroßen Erwartungen vom Team, der kommenden Uni, vom trainierenden Vater, der hoffnungsvollen Freundin und am meisten von sich selbst. Denn es darf auf keinen Fall rauskommen, daß er weniger von der naiven Skylar träumt, als daß er sich vielmehr zu Männern hingezogen fühlt.

Ja, das ist ermüdend, in sich einstellender Langeweile hat man Zeit, Fragen zu stellen: Reden junge Menschen wirklich so unsinnig? Ist man mit 18 Jahren heutzutage wirklich noch derart verklemmt, daß es nur zu Maulheldentum mit diesem ewigen „Du Jungfrau“-Gequassel reicht? Ist der obligatorische Pimmelvergleich nicht eher eine Sache, die man vielleicht zu Beginn der Pubertät macht? Und warum hat der überforderte Hauptdarsteller Jake Holley eigentlich immerzu den Mund offen? Antworten darauf erwartet der geneigte Zuschauer natürlich nicht, eher, daß sich das (queere) Kino wieder zu mehr Einfallsreichtum hinreißen ließe.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

Originaltitel: RILEY

USA 2023, 93 min
Label: Salzgeber

Genre: Drama, Erwachsenwerden, Schwul-Lesbisch

Darsteller: Jake Holley, Collin McCalla

Regie: Benjamin Howard