Originaltitel: TEN CANOES

Australien 2006, 90 min
Verleih: Alamode

Genre: Komödie

Darsteller: Crusoe Kurddal, Jamie Dayindi Gulpilil Dalaithngnu, Richard Birrinbirrin

Regie: Rolf de Heer

Kinostart: 09.08.07

Noch keine Bewertung

10 Kanus, 150 Speere und 3 Frauen

Eine Bootsfahrt in die Vergangenheit

Der in Australien aufgewachsene Holländer Rolf de Heer hat einen ungewöhnlichen Film übers Geschichtenerzählen geschaffen, für den er in Cannes mit dem Spezialpreis der Jury geehrt wurde. Es gelingt ihm, getragen von betörend schönen Bildern aus dem australischen Outback, ein Aboriginal-Märchen aus lang vergangenen Zeiten ins Heute zu transponieren. Der Regisseur entwickelte das Drehbuch gemeinsam mit dem Schauspieler David Gulpili, der bereits in diversen großen Spielfilmproduktionen mitwirkte.

Die australischen Aborigines mußten in den letzten Jahrzehnten häufig als Folie für kitschige, eurozentristische Ethno-Phantasien herhalten. Speziell ihre Kunst der generationsübergreifenden Wissensvermittlung durch (Traum-)Geschichten fasziniert viele Autoren und Filmemacher, doch es gelang bisher nur selten, diese mäandernden, sich verzweigenden Erzählungen, deren Weitergabe durchaus Tage und Wochen in Anspruch nehmen kann, angemessen wiederzugeben. De Heer und Gulpili entschlossen sich deshalb, die gesamte Handlung gemeinsam mit dem Stamm der Yolngnu in Gulpilis Heimat zu entwickeln und zu drehen, sogar das Casting wurde nach ihren Regeln veranstaltet - was zu ernsten Problemen führte, weil den verzweigten Verwandtschaftsverhältnissen der Darsteller auch vor der Kamera Rechnung getragen werden mußte. Entstanden ist ein außergewöhnliches Film-Epos über Neid, Liebe, Familienbande, Krieg und die Kraft der Traditionen - Themen von Shakesspearscher Größe, die doch überraschend leicht inszeniert werden.

Es ist vor allem der derbe, aber durchaus hintergründige Humor der Aborigines, der den unvoreingenommenen Zuschauer erst erstaunt und dann für sich einnimmt. Die Darsteller hatten ganz offensichtlich großen Spaß daran, sich während des Drehs auf eine Zeitreise in die eigene Geschichte zu begeben und ihre Traditionen - angeregt durch den Dreh - wieder zu entdecken. Der gesamte Film wurde in verschiedenen Dialekten der Darsteller gedreht und später teilweise synchronisiert und untertitelt.

Die Handlung an dieser Stelle nachzuerzählen ist schlicht unmöglich und käme auch einem Sakrileg gleich, schließlich gebührt diese Ehre nur einem wahren Geschichtenerzähler ...

[ Luc-Carolin Ziemann< ]

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