D 2007, 90 min
Verleih: Alamode

Genre: Drama, Schicksal

Darsteller: Marie Bäumer, Sebastian Blomberg, Filip Peeters, Hannah Herzsprung, Wolfram Koch

Regie: Nicolai Rohde

Kinostart: 02.10.08

Noch keine Bewertung

10 Sekunden

Und das Leben geht weiter?

Waren es neun, zehn oder elf Sekunden? Eigentlich egal. Nur ganz kurz jedenfalls hat Fluglotse Markus nicht hingeschaut – und dadurch eine Katastrophe verursacht, bei der 83 Menschen starben. Aber auch Markus’ Leben scheint vorbei zu sein, Schuldgefühle fressen ihn auf, was seine Gattin Franziska in eine Affäre treibt.

Sie ist gleichzeitig die zentrale Figur des Dramas, die vielschichtigste Rolle, eine überforderte Frau, die mit ihrem Mann nicht mehr zu reden vermag, aber dafür sogar Fremden von ihrem Leid erzählen möchte. Marie Bäumer spielt diese Franziska mit herabhängenden Mundwinkeln, uneitel und unendlich anrührend. Dahinter stehen alle anderen Darsteller zurück, obwohl Talente wie Anna Loos als Partnerin des Polizisten Harald mit dem Hochziehen einer Augenbraue ganze emotionale Abgründe andeuten. Harald war an der Unglücksstelle im Einsatz, mußte Erik davon abhalten, seine tote Frau zu sehen. Und nun nimmt Erik eine Pistole zur Hand, um sich an Markus zu rächen. Jeder steuert individuell auf die nächste Katastrophe zu.

Damit ist keine Pointe verraten, es geht nicht um billige Sensationsmache, Spannung oder einen Showdown im klassischen Sinne. Man erfährt früh, was passieren wird, Action hat nirgends Platz, auf mehreren Zeitebenen gräbt sich 10 SEKUNDEN in Seelen ein, seziert mit Hilfe kalter Bilder Schmerz und entlarvt Neuanfänge als unmögliche Utopien. Selbst die Dialoge, sonst ein rechtes Manko deutscher Produktionen, geben ohne falsche Versöhnlichkeit oder Scham Aufschluß über menschliche Erstarrung: "Franziska, wir haben noch gar nicht geredet!" – "Stimmt." Mögen auch einige gewollte Sprünge für Unverständnis sorgen – die bruchstückhafte Erzählung läßt niemals Wirrnis zu, stets hat das Buch seine Handlungsstränge fest im Griff.

Wenn Franziska schließlich viel zu spät losläßt, endlich weint und schreit, dann muß man tatsächlich ebenfalls mit seinen Emotionen kämpfen. Unter anderem deshalb, weil das weiterhin unspektakuläre, dennoch im besten Sinne schreckliche Ende aufzeigt, wie das Leben einst war und ohne diese neun, zehn oder elf Sekunden vielleicht hätte sein können. Man wird es ebenso schwer wieder vergessen wie einen wiederholt über allem schwebenden, hilflosen Satz: "Sie können nichts tun ... "

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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