D/CH 2017, 90 min
FSK 0
Verleih: Filmokratie

Genre: Animation, Historie, Dokumentation

Regie: Katrin Rothe

Kinostart: 02.11.17

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1917 – Der wahre Oktober

Die Russische Revolution in Pappmaché

Chaos und Anarchie in Sankt Petersburg, ehemals Petrograd, vor genau 100 Jahren. In 1917 – DER WAHRE OKTOBER stürzt sich Regisseurin Katrin Rothe auf die Zeitspanne zwischen den Revolten im Februar, die den Zaren zur Abdankung zwangen, und der Machtübernahme der Bolschewisten im Oktober, und sie läßt Puppen tanzen. Es sind Künstler und Intellektuelle dieser Zeit, denen sie liebevoll gestaltete Figurenkörper und eigene Stimmen verleiht. Rothe reenacted die Vergangenheit mit der Technik des Legetricks, eine aufwendige Methode der Einzelbildanimation von aufeinandergelegten Schichten von Papier.

In der Montage aus originalen Schwarzweiß-Filmaufnahmen mit den animierten Figuren aus Papier und Rothe selbst, die bei ihrer Recherche und der Arbeit im Atelier zu sehen ist, verfolgt die Regisseurin den Ansatz einer fragmentierten Erzählweise von Geschichte. Weg vom klassischen Geschichtsbuch mit den bekannten Fakten, hin zur lebendigen Erzählung mit Textstücken aus Tagebüchern, Berichten und literarischen Werken der ungehörten russischen Künstlerschaft. Es soll um einen Perspektivwechsel gehen, und es wird klar, daß es ein subjektiver Blick unter vielen ist, wenn sich die Regisseurin als Agierende selbst ins Spiel bringt.

Ungünstig ist jedoch, dann als Untertitel des Films die endgültige Wahrheit zu wählen. 1917 – DER WAHRE OKTOBER ist ein Animadok, der uns mit seiner lockeren Erzählweise und niedlichen Figuren erlaubt, trotz gewalttätiger Thematik das Schmunzeln nicht zu verlieren. Dabei werden weniger eigene Fragen formuliert, die uns heute ansprechen und für die Ereignisse sensibilisieren könnten, wir bleiben stattdessen an den Zeugnissen vergangener Zeit haften und warten fast auf ein aufrüttelndes Element.

So experimentierfreudig sich der Film auch zeigt, ein Anspruch auf Wissensvermittlung, in dieser Form auch im modernen Schulunterricht vorstellbar, bleibt sichtbar. Daher suchen wir ein bißchen nach dem spannenden Punkt, an dem sich etwas löst, der Kleber die Figuren nicht mehr zusammenhalten kann und sich etwas Neues auftut, was den Film aus seiner Geschichtserzählung heraushebt.

[ Katharina Wittmann ]

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