Originaltitel: 25 DEGRES EN HIVER

Belgien 2003, 90 min
Verleih: Arsenal

Genre: Tragikomödie

Darsteller: Jacques Gamblin, Ingeborga Dapkunaite, Carmen Maura

Stab:
Regie: Stéphane Vuillet
Stimmen: 25-grad-im-winter-1.jpg

Kinostart: 20.01.05

Noch keine Bewertung

25 Grad im Winter

Ein herrlicher Ausnahmetag

Eigentlich ein ganz normaler Tag für den Spanier Miguel, der in Brüssel als Kurier für das Reiseunternehmen seines Bruders arbeitet. Doch heute gelingt es dem liebenswerten Chaoten überhaupt nicht, die wichtigen Unterlagen zuzustellen. Erst versteckt sich die Ukrainerin Sonja in seinem Wagen, die nur knapp der Abschiebung entkam. Dann muß seine kleine Tochter Laura aus dem Krankenhaus geholt werden, nach einer Prügelei in der Schule.

Und dann steigt auch noch seine Mutter, eine resolute Vollblutspanierin, in den Wagen. Alle zusammen versuchen nun, Sonjas Mann zu finden, der vor Jahren nach Belgien kam, um Geld für seine Familie anzusparen, jetzt aber längst ein eigenes Leben führt. Und auch Miguel muß sich nach und nach von der Illusion verabschieden, daß seine in die USA ausgewanderte Frau zu ihm zurückkehren wird. Doch wie aussichtslos und chaotisch das Leben auch immer sein mag, es geht auf alle Fälle weiter.

In seinem Berlinale erprobten Debütfilm erzählt Stéphane Vuillet eine kleine, hoffnungsvolle Immigrantengeschichte im Herzen Europas als humorvoll-besinnliches Road-Movie. Dabei prallen drei Generationen und vier Sprachen aufeinander, alles an einem Tag und ohne eine Spur von Anstrengung. Schlicht wie der Winter, doch leicht und luftig wie der Sommer, nimmt sich der Film die Freiheit heraus, kleine Episoden und Spitzen einzuflechten, die in einer stringenten Dramaturgie keinen Platz hätten.

An vielen Stellen schlägt Realität ins Groteske um, etwa wenn die Großmutter, dargestellt von der Almodóvar-Stammschauspielerin Carmen Maura, in einem Altersheim das plötzliche Auftauchen der Insassen als Zombieaufmarsch erlebt, oder der als Matador verkleidete Bruder mitten auf freiem Feld von einer Horde Kühe umzingelt wird.

Unaufdringlich und menschlich, mit absolut sympathischen Hauptfiguren, gelingt es dem Film tatsächlich, mitten im Winter ein wenig Wärme in die Herzen der Kinozuschauer zu zaubern.

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

Lesezeichen:

Ersten Kommentar schreiben zur Rezension oder zum Film




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.