Originaltitel: SUMMER OR 27 MISSING KISSES

D/Georgien 2000, 96 min
Verleih: Arthaus

Genre: Komödie, Schräg, Erwachsenwerden

Darsteller: Nuza Kuchianidze, Shaco Iashvili, Pierre Richard

Stab:
Regie: Nana Djordjadze
Musik: Goran Bregovic

Kinostart: 21.06.01

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27 Missing Kisses

Liebevolle Komödie aus Georgien

Nach diesem Sommer war alles anders: die vierzehnjährige Sybilla ist ein Mädchen wie kein zweites. Rotes, wildes, unbändiges Haar, ein ungezähmter Wirbelwind, eine Lolita der Kleinstadtstraßen. Nur eben schlauer! Denn Sybilla weiß ganz genau, was und wen sie will.

In den Sommerferien in einem Kaff bei Tante Martha überschlagen sich mit ihrer Ankunft die Ereignisse, die Provinz sieht rot, sprichwörtlich. Den Anfang macht der gleichaltrige Mickey, der Sybilla sieht, sich verliebt und vor Nervosität sofort akuten Durchfall bekommt. Sybilla findet ihn auch ganz nett, jedoch weckt sein Vater in ihr weitaus mehr Interesse. Als das kecke Gör mit offenem Haar und zerrissenem Kleid durch die dörfliche Idylle flaniert, erregt das die Gemüter ob der moralischen Entgleisung. Tsstsstss! Dabei gibt es doch noch ganz andere Probleme, meist auch amouröser Natur: Veronikas Mann kann mit ihr nicht kommen, der Nachtwächter Pjotr hingegen schon. Einziger Pferdefuß: Sein Ding ist einfach zu groß. Vronis Mutter kann helfen...

Im Kino läuft der Erotikstreifen EMANUELLE, der Schulmeister verläßt empört den Saal, um wenig später tot im Bett einer Kollegin aufgefunden zu werden. Die leicht derangierte Lehrerin gibt zu Protokoll, daß der Direktor das Unaussprechliche von ihr verlangte. Ein weiterer Kauz im panoptischen Zirkus während dieses schwülen Sommers ist ein französischer Kapitän, der für sich und sein Schiff auf der Suche nach dem Meer ist. Und Mickey will auf jeden Fall verhindern, daß sein Vater auf Sybillas unerbittliches Umgarnen reagiert. Ihm stehen ohnehin noch einige Küsse aus einem Versprechen zu. 73 hat er erst bekommen.

Na also! Das georgische Kino hat die universelle Sprache der Poesie und den Mut zur romantischen Verklärung der Wirklichkeit für sich wiederentdeckt. Trotz der Vielzahl skurriler Figuren behandelt Regisseurin Nana Djordjadze nicht eine einzige stiefmütterlich. Das forsche und endlich mal wieder witzige Mittel der Übertreibung bestimmt das Tempo dieses Wunderwerkes, das in keiner Nuance dem irrsinnig komischen LUNA PAPA nachsteht. Bleibt nur vehementes Däumchendrücken, daß diesem herausragenden Film ein ähnlicher Erfolg an den Kinokassen vergönnt ist.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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