Originaltitel: 2 AUTOMNES 3 HIVERS

F 2013, 93 min
FSK 0
Verleih: déjà-vu

Genre: Drama, Liebe

Darsteller: Vincent Macaigne, Maud Wyler, Bastien Bouillon

Stab:
Regie: Sébastien Betbeder
Drehbuch: Sébastien Betbeder

Kinostart: 03.07.14

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2 automnes 3 hivers

Kommunikation im Wechsel der Jahreszeiten

Kommt Ihnen das vertraut vor? Sie lernen jemanden kennen, sagen wir, bei einem Date. Dann sitzt diese Type vor Ihnen, füllt jede rhetorische Lücke durch geschwallte Stories aus einem unspannenden Leben, und die einzige je gestellte Frage lautet: „Wo war ich?“, während Sie still beten, daß die Zeit hundertmal schneller vergehen möge.

Adäquate Filme gibt’s ja auch nicht wenige, und anfangs scheint sich dieser einzureihen. Wir treffen ein Trio von Durchschnittsleuten auf individueller Suche: Arman, Neunichtraucher und permanenter Jobwechsler. Amèlie, die ihren Namen haßt und nicht weiß, wohin der Weg sie führen soll. Schließlich Benjamin, von süßer Depression ergriffener Kumpel Armans. Drei Personen, viele Gedanken, welche dem Publikum direkt mitgeteilt werden, und zwar gnadenlos en détail. Wenn Reden wirklich Silber ist, springt hier weniger als ein Trostpreis raus, so geschwätzig scheint das Ganze. Und doch: Man bleibt dabei, weil Regisseur Betbeder eine quasi verspielte Welt erschafft, komplett mit als Löwen fungierendem Labrador, subtiler TV-Kritik, zurückhaltenden Effekten, aber auch Ernstem wie Schlaganfall, Hirnschaden oder Nahtoderfahrung, während Bernadette Chirac für einen tragikomischen Lacher sorgt. Und das alles nur im ersten Teil.

Part 2, Arman und Amèlie sind jetzt ein Paar, plötzlich zählen Texttafeln die Kapitel runter statt wie bis dato hoch. Tatsächlich laufen kleine Risse durch das Beziehungsgefüge, weitere Personen tauchen auf. Einige sind gekommen, um zu bleiben, andere belassen es bei Stippvisiten. Unvermittelt gähnen Abgründe, Gefühls-Kontinentalverschiebungen finden statt, die ehemals lockere Liebeserklärung ans Kino nimmt härtere Züge an, jetzt steht eine Szene aus NIGHT OF THE LIVING DEAD für Zustände emotionaler Leere. Es wird immer noch ununterbrochen geplaudert, das potentielle (An-)Schweigen lauert indes hinter jedem Wort.

Betbeder gelingt es, die Protagonisten zum Seelenstriptease zu zwingen, und man ertappt sich verwundert dabei, selbst nominellen Banalitäten oder Ausschweifungen konzentriert zu lauschen. Weil echte Menschen echte Sätze sprechen, kein aufgepfropftes Drehbuchgedöns papieren raschelt, sondern immer spürbar bleibt, worum’s geht: das Miteinander. Bis hin zum letzten Bild – es mag nachhaltig deprimieren oder an Verzweiflung geknüpfte Hoffnung spenden. Kalt läßt es aber niemanden.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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