Originaltitel: 35 RHUM

F/D 2008, 105 min
Verleih: Real Fiction

Genre: Drama

Darsteller: Alex Descas, Mati Diop, Grégoire Colin, Nicole Dogué, Ingrid Caven

Regie: Claire Denis

Kinostart: 12.03.09

3 Bewertungen

35 Rum

Die Liebe, eine leise Melodie

Jeden Tag bringt der RER die Menschen aus den Vorstädten ins Zentrum von Paris. Er trägt die stadträndigen Geschichten in das Herz, läßt es schneller schlagen am Tag und pumpt es leer am Abend. Doch selten hat man Regionalzüge so poetisch wahrgenommen wie durch die Kamera von Agnès Godard, die Claire Denis’ zart beseelte Liebesgeschichte mit einem Blick für die einfache Schönheit der Menschen filmte.

Immer wieder huscht ein Lächeln über Joséphines Gesicht, während sie hört, wie Lionel nach Hause kommt, seine Dusche nimmt und langsam in die Küche kommt. Dort essen beide miteinander. Wärme ist zu spüren, trotz weniger Worte. Es taucht ein junger Mann auf. Später werden wir erfahren, daß er Noé heißt, zusammen mit einer alten grauen Katze wohnt und ständig verreisen muß. Dann gibt es noch Gabrielle, eine schöne, alterslose Frau, die viel raucht und immer am Abend wartend aus dem Fenster sieht. Erst ganz langsam entspinnt die Regisseurin die Beziehungen untereinander, und wir erfahren, daß Lionel Joséphines Vater ist, und daß er mit seiner Tochter schon lange alleine lebt. Die unverstellte Liebe, mit der sich die beiden begegnen, ist ihr Schutzschild. Doch ein Stachel der Rastlosigkeit wohnt ihr inne, der sowohl von innen als auch von außen stört.

Joséphine wird erwachsen, sie ist bildhübsch und wird begehrt. Sie entwächst ihrem behüteten Zuhause, auch wenn sie sich selbst dagegen wehrt. Immer wieder zeigt Denis Umarmungen zwischen Vater und Tochter; kleine Abschiede, wenn man so will. Kommt Noé zu Besuch, essen alle drei im Stehen – offensichtlich ist noch kein Platz am Tisch für ihn gefunden. Auch führt die Regisseurin den Betrachter durch Auslassungen in der Erzählung oft ein klein wenig vom Weg ab und bricht damit konventionelle Denkmuster auf, setzt Beziehungen neu ins Bild. Soziale Strukturen werden nicht konkret benannt und doch miterzählt. Joséphine ist Kind einer Mischehe, die Vorstadtsiedlung, in der sie mit Lionel lebt, von Einwanderern dominiert. Sie studiert, während ihr Vater als Zugführer den RER fährt und Gabrielle ein Taxi. Jo ist offensichtlich Teil einer neuen Generation.

Am Ende steht eine Reise in den Norden Deutschlands zur Schwester von Joséphines Mutter. Sie, ganz Dame, resümiert über das Leben: „Man könnte meinen, die ganze Welt ist gierig auf den Streß oder die Ruhe des kleinen Glücks – aber wir nicht, wir sind stark.“

[ Susanne Schulz ]

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