Originaltitel: 37 USES FOR A DEAD SHEEP

GB 2006, 85 min
Verleih: Piffl

Genre: Dokumentation

Stab:
Regie: Ben Hopkins, Ekber Kutlu
Drehbuch: Ben Hopkins, Ekber Kutlu

Kinostart: 01.06.06

Noch keine Bewertung

37 Uses For A Dead Sheep

Joghurt, Held der Berge

Wenn im Pamir ein Schälchen Ayran umkippt, macht das ungefähr so viel Wirbel, wie der sprichwörtliche Sack Reis in China. Wenn aber eine Dokumentation es schafft, einen für die endlose Verwertungskette zentralasiatischer Nutztiere zu interessieren - vom Trinkjoghurt bis hin zur Verwendung als Opfergabe, gibt es manchmal einen Filmpreis. "Caligari" heißt das edle Stück, wurde auf der Berlinale 2006 verliehen und verbindet sich seither mit verbalen Freudensprüngen, in denen Kritiker die ästhetisch unorthodoxe Annäherung an eine fremde Kultur feiern.

Filmemacher Ben Hopkins hat es in die komplizierte Migrationsgeschichte der Pamirkirgisen verschlagen. Sie beginnt im Pamir-Hochland, das dem kleinen, versprengten Völkchen bis heute Heimat geblieben ist. Sie führt in imperiale, sowjetische oder chinesische Hoheitsgebiete. Sie endet nach Zwischenstationen in Afghanistan und Pakistan schließlich im Dörfchen Ulupamir in der Osttürkei, das man nach Kamel und Pferd durch die Segnungen des modernen Personentransfers erreichte.

Genau genommen aber tritt der Dokumentarfilmreisende Hopkins auf der Stelle. Er reist in der Erinnerung der alten Leute von Ulupamir, die ihm Gesprächspartner und Statisten zugleich sind. Denn die Dokumente des Nomadenzuges durch das 20. Jahrhundert stellt er unter tätiger schauspielerischer Mithilfe der Einwohner selbst her. Angelehnt an Stummfilm- und Slapstickästhetik entstehen so kleine theatralische Erinnerungsfilme mit altertümelnden Zwischentiteln, die aussehen, als hätte sie ein Yak vor hundert Jahren aus dem Pamir in die Täler hinabgeschmuggelt. Die Inszenierung der Schlachten- und Alltagsszenen, die Überzeugungsarbeit am lebenden Objekt, das seine Familiengeschichte plötzlich als Exempel für das Volksleiden am Opiumhandel dargestellt sieht, stehen ganz selbstverständlich zwischen verfilmten Helden- und Geistermärchen.

Komik und Anschaulichkeit - so viel ist mit dieser Taktik zu erreichen. Aber auch ein sauberer, integerer Dokumentarfilm, der über Anekdoten hinaus kommt? Nun, das Interesse an den Menschen und an der Zukunft der Jungen in der türkischen Gesellschaft ist eifrig aber wankelmütig. Und wer sich mit seinem Gegenstand befreundet, stellt eben nicht immer die zwingendsten Fragen. Am Ende erfährt er viel Wissenswertes über: Joghurt.

[ Sylvia Görke ]

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