Originaltitel: 99 FRANCS

F 2007, 104 min
Verleih: Alamode

Genre: Literaturverfilmung, Schräg

Darsteller: Jean Dujardin, Jocelyn Quivrin, Patrick Mille, Vahina Giocante, Nicolas Marie

Regie: Jan Kounen

Kinostart: 31.07.08

Noch keine Bewertung

39,90

Schlecht verdaut

Ab und an kommen einem ja solche Gedanken. Etwa, wenn man nach gutem Essen und Wein in einem hübschen Restaurant seinen Nachtisch löffelt. Satt zu sein, macht manchmal zynisch. Da blubbert dann schon mal die Polemik des Überdrusses. Und die klingt gerne so: Verrottet ist die Welt. Moralisch völlig im Eimer. Und wer ist Schuld? Favoriten wie gehabt: George W. Bush, das Großkapital und natürlich die Werbung und ihre Handlanger.

In 39,90 geht es um letztere. Da sieht man Typen wie diesen Octave, der es so unumwunden kaltschnäuzig sagt: Alles ist käuflich, die Liebe, die Kunst, der Planet Erde, Sie, ich. Voilà! Ein Film und seine Behauptung. Die Deklarierung einer Weltsicht, in der sich ein Moralismus, der schon ein wenig fundamentalistisch müffelt, satirisch-zynisch gebärdet. Und dabei wie wild am Rad dreht. So wie Octave eben und so wie die Maus, die er sich im Käfig hält. Kein sehr originelles Bild, aber ein besseres gibt es nicht für Jan Kounens Film. Und für den dem Film zugrunde liegenden, gleichnamigen Buchbestseller auch nicht.

Es geht also um Octave. Schick, koksend, erfolgreich. Ein kreativer Überflieger aus der Werbebranche. Abgeklärt und ausgekocht. Ein Charakterschwein, welches aber - so geht es manchmal zu - seinen Moralischen bekommt. Ein wenig wegen einer unglücklichen Liebe, ein wenig auch wegen der mentalen Verdauungsstörungen, der seelischen Blähungen, die Octave ob seines Lebens immer öfter befallen. Octave hat es satt und greift zur Radikalkur. Steckt sich quasi den Finger in den Hals und kotzt sich aus. Im wörtlichen, ganz klar, aber auch im übertragenen Sinne. Sozusagen: Voll auf die Leinwand.

Das mutet zum einen fröhlich nihilistisch und herrlich geschmacklos an. Zum anderen - und leider zum größeren Teil - aber auch ziemlich didaktisch einfallslos. Da ist etwa das Jonglieren mit Zahlen (so viel verdient die Werbung vs. so viel braucht die Welthungerhilfe), oder Bilder von Schlachthöfen, auf die Bilder von Schickimicki-Tussis folgen. Und immer wieder koksende, kotzende, kopulierende Werbelack-affen. Ja, ja schon kapiert, eine verrottete Welt. Aber mal ehrlich: wen interessiert diese Wut der Übersättigten auf ihre überfüllten Bäuche? Diese Bulimie-Brachialsatire, in der dann aber letztlich doch selbst vollgekotzte Topmodels immer noch so aussehen, daß man sie glattweg sofort kaufen würde.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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