D 2014, 99 min
FSK 12
Verleih: Wild Bunch

Genre: Komödie

Darsteller: Kostja Ullmann, Kida Khodr Ramadan, Ekrem Bora, Axel Stein, Christoph Maria Herbst

Stab:
Regie: Sinan Akkus
Drehbuch: Sinan Akkus

Kinostart: 22.01.15

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3 Türken & ein Baby

Geschlechterzoff und Windelwechsel

Gütig blickt die Krankenschwester Celal an und informiert: „Wir Türken können doch so gut mit Babies!“ Wäre schön für das recht angespannt wirkende Kleinkind, zu dem Celal aus heiterem Himmel kam, konkret durch einen Unfall seiner Verflossenen. Nun hat er also dieses unablässig quengelnde Bündel am Hals und muß Vaterqualitäten beweisen, dabei sieht die Gesamtsituation sowieso schon ziemlich angespannt aus: Der Mann lebt mit seinen Brüdern Sami (cholerisch) und Mesut (gläubig) zusammen, gemeinsam leidet man an finanzieller Not, hat soeben gar den vererbten Familienschmuck unter Wert verschachert. Was soll daraus nur werden?!

Tja, geplant war sicher eine mit Vorurteilen aufräumende Großstadt-Komödie, und ganz zu Anfang verbucht sie gleich den besten Lacher, wenn eine Café-Bedienung unmotiviert, aber standhaft den neuen Milchkaffee preist – vegan! Dann gerät die Posse immer mehr zum Klamauk: Celal verzockt die Kohle und verdingt sich als Callboy, gerät an eine auf schmutzige Töne stehende S/M-Bitch-Rentnerin. Fremdschamalarm voraus. Sami sucht verzweifelt nach der Frau, die noch im Alter an seiner Seite schlurft, lernt indes ein grenzbrutalisiertes Höllenweib kennen, spätere kräftige Arschtritte inklusive. Et cetera.

Wir lernen daraus: Humorschieflagen neigen nicht dazu, sich einfach aufzulösen, wenn sie überzeichnet dargeboten sind, nein, die fiesen Dinger reifen still und verlieren nix an Nervigkeit. Damit das nun keiner bemerkt, rückt Autor/Regisseur Sinan Akkus zwecks visueller Kurzweil Kostja Ullmann in den Handlungsfokus – der hat zwar seine Darstellungs-Defizite, lenkt jedoch wenigstens optisch ab, für weniger empfängliche Zuschauer huscht Christoph Maria Herbst schnell durchs ansonsten braven Fernseh-Standards entsprechende Bild. Kluge Strategie!

Wo erklingen hier aller laut Pressetext „hinreißenden Verrücktheit“ zum Trotz mal ernstere Töne, wann folgt der angekündigte Culture Clash, fragen Sie jetzt? Ganz simpel beantwortet: nirgends. Ob Türken, Schweden oder Manni ums Eck, völlig egal, alle austauschbar. Gut, indirekt mag man da eine positive Toleranz-Botschaft lesen, bloß bleiben Zweifel an deren Intention. Der Film selbst impliziert sie ohnehin am laufenden Band. Zumindest könnte er eventuell einen künftigen Star präsentieren, weil das Baby über höheres Mimikpotential verfügt als sämtliche erwachsenen Akteure.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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