Originaltitel: 4 LUNI, 3 SAPTAMINI SI 2 ZILE

Rumänien 2007, 113 min
Verleih: Concorde

Genre: Drama

Darsteller: Anamaria Marinca, Laura Vasiliu, Vlad Ivanov

Stab:
Regie: Cristian Mungiu
Drehbuch: Cristian Mungiu
Produktion: Cristian Mungiu

Kinostart: 22.11.07

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4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage

Beklemmendes Drama über Repression

Der Nachwuchsregisseur Cristian Mungiu zeichnet ein beklemmendes Porträt der Dämmerjahre der Ceausescu-Diktatur, in dem die fast physisch erfahrbare, aber immer gesichtslos bleibende staatliche Repression die Hauptrolle spielt. In den ersten Minuten erleben wir einen normalen Morgen im Studentenwohnheim. Die Kamera, die immer eine vorsichtige Distanz zu den Figuren bewahrt, begleitet die Studentinnen Gabita und Otilia bei ihren alltäglichen Verrichtungen und kleinen Schwarzmarktgeschäften. Mit Selbstverständlichkeit wechseln Dinge des täglichen Gebrauchs, vom Deoroller bis zu den Zigaretten, die Besitzer. Die Nebensächlichkeit, mit der Bündel von Geldnoten in alle Richtungen wandern, deutet an, daß Geld in dieser Gesellschaft nicht das wichtigste Zahlungsmittel ist.

Trotzdem braucht Gabita erstmal nichts dringender als Geld - viel Geld. Sie ist schwanger, und Abtreibung ist in Rumänien streng verboten. Auf legale Weise weiß sie sich nicht zu helfen, und so schlittern sie und ihre pragmatische Zimmerkollegin Otilia auf der Suche nach einer Lösung in ein Fiasko. Der Engelmacher, dem sie ihr Leben und ihr Geld anvertraut, erweist sich als unverschämter und schwer einzuschätzender Choleriker. Als er merkt, daß Gabita - anders als behauptete - bereits im vierten Monat ist, setzt er die Frauen unter Druck: er will Sex mit beiden, weigern sie sich, bricht er die Vereinbarung.

Cristian Mungiu gelingt es, die drückende Kraft der staatlichen Repression spüren zu lassen, ohne daß der Staat oder seine Organe nur ein einziges Mal direkt thematisiert werden. Allein an den Reaktionen der verzweifelten Frauen läßt sich die Wucht des gesellschaftlichen Drucks ablesen. Dabei ist die pragmatische Otilia, ohne die Gabita völlig verloren wäre, eigentlich eine selbstbewußte und mutige Frau, die ihrem Freund nach einem Streit sehr klar zu verstehen gibt, daß sie sich mit halbherzigen Bekenntnissen nicht zufrieden gibt. Aber angesichts der zutiefst menschenverachtenden Lebensbedingungen fehlt auch ihr die Kraft, sich dem scheinbar Unvermeidlichen zu widersetzen.

Beim Festival in Cannes gewann der meisterhaft komponierte Film zu Recht den Hauptpreis. In seiner Ausweglosigkeit ist er nicht leicht zu ertragen, aber wer sich ihm aussetzt, sieht einen Film, der ohne Zweifel das Zeug zum Klassiker hat.

[ Luc-Carolin Ziemann ] Carolin hat ein großes Faible für Dokumentarfilme, liebt aber auch gut gespielte, untergründige Independents und ins Surreale tendierende Geschichten, Kurzfilme und intensive Kammerspiele. Schwer haben es historische Kostümschinken, Actionfilme, Thriller und Liebeskomödien ... aber einen Versuch ist ihr (fast) jeder Film wert.

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