Originaltitel: 6:3

Ungarn 1999, 90 min
Verleih: Movienet

Genre: Tragikomödie

Darsteller: Károly Eperjes, Kriszta Szalay, Tamás Cseh

Regie: Péter Timár

Kinostart: 26.10.00

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6:3 - Tuttis Traum

Über Fußball, Spitzel und Transistorenradios

Tutti ist ein komischer Kauz, der bei der Budapester Müllabfuhr arbeitet. Er soll die Sammlung eines verstorbenen Fußballfans entsorgen und kommt aus dem Staunen über die dabei zu Tage tretenden Schätze nicht mehr heraus. Als er schließlich das Shirt einer Spielerlegende anzieht, fällt er in Ohnmacht und wacht im Jahre 1953 mitten auf der Straße wieder auf. Es ist der Tag seiner Geburt und zugleich der Tag des ungarischen "Fußballspiels des Jahrhunderts", 6:3 gegen England.

Tutti hält sich nicht mit der Frage auf, wie oder warum er einen Sprung in die Vergangenheit gemacht hat. Sofort weiß er, was an diesem Tag zu tun ist: seine Mutter suchen, die er nicht kennt, und die Übertragung des Spiels anhören. Dabei macht er sich die anderen Zuhörer zu Feinden, denn er verrät die Tore im Voraus.

Nur die Straßenkehrerin Helen bewahrt ihn immer wieder vor größeren Schwierigkeiten. Es kommt so weit, daß sie ihn zur Tarnung in einer Schubkarre durch die Straßen schiebt, wobei er nur noch mit einem Bettlaken bekleidet ist. Verfolgt wird das eigentümliche Gespann von der Polizei, die in Tutti einen Betrüger sieht, von Intellektuellen, die ihn für einen Spitzel halten und von einer verwirrten Studentin.

Der Regisseur Péter Timár nimmt den Nationalmythos um das Fußballspiel von 1953 zum Anlaß, die ungarische Gesellschaft jener Tage Revue passieren zu lassen. Die Unterschiede zur heutigen Zeit führen im Film zu zahlreichen komischen Mißverständnissen.

Ein Problem dieses prinzipiell recht charmanten Films ist die zur Schau gestellte Einfältigkeit Tuttis, die über weite Strecken nervig wirkt. Seine Handlungen wirken daher manchmal unmotiviert und unstimmig, z.B. als er die Suche nach seiner Mutter plötzlich abbricht. Die auftauchenden politischen und gesellschaftlichen Themen - der Film spielt zwischen Stalins Tod und dem ungarischen Volksaufstand - bleiben anekdotenhaft und unwirklich.

Eingefleischte Fußballnostalgiker werden an der Atmosphäre der Radioübertragungen in Cafés und Geschäften sicher ihre Freude haben,

für alle anderen bleibt der Film eine teilweise überzeugende Slapstick-Komödie mit historischen Einsprengseln.

[ Sarah Schipschack

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