Originaltitel: SEI VENEZIA

I 2010, 92 min
FSK 0
Verleih: Rendezvous

Genre: Dokumentation

Regie: Carlo Mazzacurati

Kinostart: 29.03.12

Noch keine Bewertung

6x Venedig

… zum Mitnehmen, bitte!

Aaaah, Venezia! Stadt der Gondeln, Geschichte, Romantik. Okay, ebenso des Tourismus’ und Mülls, aber das vergessen wir ganz galant. Also: ein Fleckchen für Verliebte und solche, die es werden wollen. Dies zu den gängigen Assoziationen und Klischees. Doch man erinnere sich verwundert, daß dort eben normale Menschen wohnen und ihren Alltag bewältigen, von denen im Verlauf sechs zu Wort kommen, um ein Lebensgefühl zu skizzieren.

Nur bleibt es beim groben Abriß, wie speziell Zimmermädchen Roberta unter Beweis stellt: Sie weiß zu berichten, daß Jerry Lewis’ Seife Kindheitserinnerungen weckte, und Brad Pitt kein netter Mensch zu sein scheint. Schau mal an. Als die Dame endlich zu plappern aufhört, ihren verstorbenen Bruder erwähnt, der ein ganz wunderbarer Mensch war, bricht sie abrupt ab. Nicht aus Schmerzgründen, sondern weil es ihm da, wo er jetzt ist, ja gut geht. Und Regisseur Carlo Mazzacurati akzeptiert es einfach.

Überhaupt erfüllt der Mann den Doku-Anspruch, hinter die Fassade zu blicken, eben nicht bloß an Oberflächen zu kratzen, in keinem Fall. Noch ein Beispiel: Maler Carlo schwärmt wortreich von einer ihm einst bekannten Lady, welche schöner als Serena Grandi war (die jüngeren Kinogänger sollten im Internet nach Bildern suchen, es lohnt). Man erwartet nun eine emotionsgetränkte Erinnerungsgeschichte, horcht auf. Aber ... null. Ende. Na ja, immerhin wurde so enthüllt, daß irgendwann mal eine Frau rumlief, schöner als Serena Grandi. Ein einziges Mal hakt der Regisseur nach: Ramiro, ehemaliger Dieb, jetzt arbeitslos und Witwer, berichtet davon, seine kriminellen Aktivitäten wegen der Familie an den Nagel gehängt zu haben. Was stellt Mazzacurati da als dringliche Frage? Jene: „Warst Du auf Hochzeitsreise?“ Sollte zuschauerseitige Identifikation durch Normalität der Gesprächspartner das Ziel gewesen sein, ging sie daneben.

Die brav nacheinander aufgereihten, nie verketteten Interviewsegmente verknüpfen oft pittoresk schöne, manchmal indes auch verwackelte Impressionen der Umgebung. Doch erneut fehlt selbst hier Gespür: Traumhafte Bilder des Karnevalstreibens werden knapp abgehandelt, Aufnahmen von im Hochwasser watenden Menschen füllen dagegen mehrere Minuten. Mazzacurati gelang somit kaum die intendierte „Reise in eine unbekannte Welt“, sondern eher filmisches Fast Food, nebenbei konsumiert und zu schnell verdaut.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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