Originaltitel: SEVEN PSYCHOPATHS

USA/GB 2012, 109 min
FSK 16
Verleih: DCM

Genre: Schräg, Komödie, Thriller

Darsteller: Colin Farrell, Woody Harrelson, Tom Waits, Christopher Walken, Abbie Cornish, Sam Rockwell, Michael Pitt

Regie: Martin McDonagh

Kinostart: 06.12.12

30 Bewertungen

7 Psychos

… in einem irren Film

„Und was sollen wir Deiner Meinung nach im wahren Leben tun?“ Marty stellt sie, die Frage, blickt mit sanften Augen ins Sonnenlicht von L.A. und macht dann das, was dort wohl viele Drehbuchautoren mit Kreativblockade machen: einen neuen Drink nehmen. Klar dabei ist nun nicht, ob dieser Marty trinkt, weil ihm bezüglich des Schreibens nichts mehr einfällt, oder ob ihm nichts mehr einfällt, weil er zu viel trinkt.

Ursache und Wirkung, wahres Leben und echtes Kino. Davon erzählt Martin McDonaghs (BRÜGGE SEHEN … UND STERBEN?) neuer Film. Der entpuppt sich schon von der ersten Szene an schlicht als Geniestreich erzählerischen Irrsinns. Als rabenschwarze Komödie mit weißem Kaninchen, gleichmütigem Shih-Tzu-Hündchen, dem titelgebenden Personal und all jenen, die das zweifelhafte Vergnügen haben, an dieses zu geraten. Wie dabei diese mit Ironie und Gewalt gesättigte Story ihre Haken gehobener Absurdität schlägt und es zudem tatsächlich auch noch vermag, emotional zu berühren (und das liegt nicht an Kaninchen und Hündchen), zeigt, zu welchen Wundern das wahre Leben und richtiges Kino fähig sind.

Und bevor vor lauter Schwärmen jetzt hier die Handlung vergessen wird, schnell ein paar Worte zu dieser: Der schon erwähnte Marty braucht dringend Inspiration. Vom neuen Drehbuch steht bisher nur der Titel. „7 Psychos“ heißt der, und zumindest Martys bestem Freund Billy gefällt er gut. Die Inspiration für alles Weitere wird kommen, ist sich Billy sicher. Das Leben – das wahre – schreibt die verrücktesten Geschichten. Und Billy muß es wissen. Auch, weil er mit dem kultivierten Hans ein Geschäft betreibt, das in der Anlage schon mal filmreif ist: Beide kidnappen Hunde, die sie für gutes Geld an die Besitzer zurückgeben. Dumm nur, daß das Herrchen des zuletzt geklauten kleinen Shih Tzu dieser Charlie ist. Ein Gangster der ganz psychopathischen Sorte. Womit die Handlungsstränge sich entfalten, und Marty bald mehr Inspiration hat, als ihm lieb ist. Zum Schreiben allerdings kommt er erst mal nicht.

Wie sich dabei nun die glorreichen Sieben finden, wie dieser Film seine eigene Geschichte und das Kino an sich reflektiert, wie wunderbar dabei ein wunderbares Darstellerensemble samt wunderbaren Dialogen aufspielt, wie klug diese Spinnerei ist, sich gar in aller Souveränität einen Tupfer Spiritualität gönnend – das alles beantwortet obige Frage ganz klar: Was wir im wahren Leben tun sollen? In Filme wie diesen gehen.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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