Originaltitel: 8TH WONDERLAND

F 2008, 94 min
FSK 12
Verleih: Neue Visionen

Genre: Satire, Polit

Darsteller: Matthew Géczy, Eloissa Florez, Robert William Bradford, Alain Azerot

Stab:
Regie: Jean Mach, Nicolas Alberny
Drehbuch: Jean Mach, Nicolas Alberny

Kinostart: 02.09.10

Noch keine Bewertung

8. Wonderland

Revoluzzer im Cyberspace

Schwerter zu Pflugscharen! Fußballprofis in die asiatische Turnschuhproduktion! Kondomautomaten in Gotteshäuser! Präsidenten an die Wand! Generalamnestie für US-amerikanische Festtagstruthähne und ihre Schicksalsgenossen in den Todeszellen! Wie es aussieht, hätten sich die Einwohner des virtuellen Staatsgebildes 8th Wonderland nicht eine stilisierte Weltkugel, sondern ein Ausrufezeichen zum Wappen wählen sollen. Denn die Damen und Herren meinen es ernst mit dem subversiven Einschreiten in den Lauf der Dinge.

Die als gesellschaftlicher Durch- und Querschnitt gedachte, selbstredend internationale Gemeinde aus Berufsaktivisten, Freizeitempörten, Supermodels, Dolmetschern, Lebenskünstlern, Verlegern und Studenten darf auf der bunten Filmwiese von Jean Mach und Nicolas Alberny Revolution spielen. Weil sich aber der Revolutionär von heute nicht mehr links an der Barrikade oder vorne in der Lichterkette trifft, hält das Häuflein Unverdrossener seine basisdemokratischen Strategiebesprechungen im Chatroom ab. Hernach werden die trägen Massen mobilisiert, auf allen nur erdenklichen Wegen. „Kommen Sie mit uns!“, raunt es aus dem Äther. Und sie kommen in Scharen – auch solche, die man nicht gerufen hat ...

Mach und Alberny haben es sich an der Schnittstelle zwischen virtueller und realer Welt bequem gemacht und sehen dem gemeinen Weltverbesserer dabei zu, wie er per High-Speed-Verbindung zwischen den Sphären wechselt. Herein fliegen die Bits und Bytes. Heraus kullern verknisterte Fetzen von Fernsehnachrichten, verschnitten mit allerhand tragikomischem Zapping-Material aus der medialen Unterhaltungsmaschine. Vorbei zischen Bilder aus der globalen Wirklichkeit, die immer tiefer von widerständischen Zellen unterwandert scheint. Aus dem Kampf um die Köpfe – mit allen bekannten Kollateralschäden an Unschuld und Demut – gehen der Webmaster und sein Gefolge also siegreich hervor.

Die eigentliche Schlacht allerdings bleibt noch zu schlagen. Denn für eine ernstzunehmende Filmrevolution kommt diese verwirbelte, verliebte und verschnipselte Bildästhetik um einige Jahre zu spät. An anarchischer Attitüde mangelt es Mach und Alberny sicher nicht, wohl aber an intellektueller Klarheit und einer mit dem Bauch nachzuvollziehenden Angriffslust. Warten wir also auf den nächsten Aufstand. Venceremos!

[ Sylvia Görke ]

Lesezeichen:

Ersten Kommentar schreiben zur Rezension oder zum Film




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.