Originaltitel: AALTRA

F/Belgien 2004, 92 min
Verleih: Weltecho

Genre: Roadmovie, Komödie, Schräg

Darsteller: Benoît Delépine, Gustave Kevern, Aki Kaurismäki, Jason Flemyng

Regie: Benoît Delépine, Gustave Kervern

Kinostart: 11.05.06

Noch keine Bewertung

Aaltra

Rollstuhlfahrer sind auch nur Egoisten

Zwei französische Rollstuhlfahrer machen sich auf den Weg nach Finnland, um einen Traktorenhersteller zu verklagen. Ein Anhänger der Marke Aaltra hat die beiden während einer Prügelei erwischt. Unschuldsengel sind sie deswegen keineswegs. Tatsächlich schaut man ihnen zu Beginn des Filmes dabei zu, wie sie sich als griesgrämige Nachbarn auf dem Lande gegenseitig das Leben schwer machen. Der eine ist ein eher grobschlächtiger Kerl, der die Dinge gerne langsam angeht und wenig spricht, der andere ein dünner, nervöser Motocross-Fan, der auch nicht viel redet. Zwei geradezu klassische Kumpel also, doch dazu müssen sie auf ihrer Reise erst noch werden. Ansonsten bleiben sie allerdings ziemlich unverändert, zwei Egoisten, die nicht viel weiter als an ihre unmittelbaren Bedürfnisse und die Entschädigung denken.

Und eben das macht den besonderen Reiz dieser schlichten und bösen Road-Movie-Satire aus und läßt schließlich auch die Figuren immer sympathischer erscheinen. Na ja, was man so sympathisch nennt. Sie klauen einer Oma den Elektroroller vor der Nase weg, vertrinken die Schnapsreserven einer netten Familie oder mißbrauchen eine andere nette Familie als Hotel mit Vollverpflegung. Von Dankbarkeit keine Spur, diese Rolle, die ihnen als Hilfsbedürftigen gerne zugewiesen wird, nehmen sie nicht an. Dafür kriegen sie allerdings selbst einiges ab, und es zeigt sich, daß die Gutherzigkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen auch nur auf Kredit vergeben wird.

An französisches Kino erinnert das Ganze überhaupt nicht. Belgische Bissigkeit und finnischer Lakonismus gehen Hand in Hand, politisch absolut unkorrekt, aber ohne viel Aufsehens davon zu machen; in Schwarz-Weiß-Bildern, die so manche grobe Gehässigkeit auch erst auf den zweiten Blick preisgeben, und einer Geschichte, die sich mit den rollenden Helden treiben läßt. Gespielt übrigens von den beiden Regisseuren, einem kauzigen französischen Komiker-Duo. Wo sie hinkommen, werden Alltagssituationen ins Absurde umgekrempelt. Der Gastauftritt von Aki Kaurismäki paßt, nur daß es bei ihm dann doch etwas sentimentaler zugeht.

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

Lesezeichen:

Ersten Kommentar schreiben zur Rezension oder zum Film




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.