D 2011, 109 min
FSK 12
Verleih: Eigenverleih

Genre: Dokumentation, Historie

Regie: Karin Kaper, Dirk Szuszies

Kinostart: 24.05.12

1 Bewertung

Aber das Leben geht weiter

Frauen vor polnischer Landschaft

Einst hieß das Dorf, 25 Kilometer östlich von Görlitz gelegen, Niederlinde. Heute heißt es Platerówka. Simpel, profan: Am Wechsel der Namen zeigt sich der Lauf der Geschichte. Was diese im vergangenen Jahrhundert barg an Leid und Verwerfung, weiß man zur Genüge. Und doch ist da immer noch und immer wieder das Bedürfnis, die Geschichten zu erzählen, die Schicksale zu schildern, die eben diese große Geschichte birgt.

Dokumentarfilmerin Karin Kaper etwa machte sich deshalb auf den Weg nach Platerówka. Zu einer Zeitreise, die noch einmal Schicksalswege nachzeichnet, welche sich in Niederlinde/Platerówka kreuzten. Die Mutter von Karin Kaper, Ilse Kaper, berichtet gemeinsam mit ihrer Schwester von jenen Ereignissen 1945, als die Rote Armee kam, berichtet von den Vergewaltigungen, den Vertreibungen, wie das Dorf den Polen zugesprochen wurde. Zugleich flicht sich da hinein eine weitere Schicksalslinie. Die von Edwarda Zukowscy, die 1940 als 16jährige im Zuge des Hitler-Stalin-Paktes von den Sowjets nach Sibirien zur Zwangsarbeit deportiert wurde. Und es sprechen die Nachgeborenen. Kinder und Enkel, die heute in diesem kleinen polnischen Ort leben.

Interessant ist das durchaus, mit sympathischen Frauen und auch von einem gewissen ideellen Wert, zeugt ABER DAS LEBEN GEHT WEITER doch auch von Souveränität und Stärke der Porträtierten im Umgang mit der Geschichte und dem, was sie ihnen zufügte. Und doch: Diese Doku behält etwas seltsam Betuliches. Jäten im Garten, nachdenklich aus Zugfenstern schauen, Blicke in heimatliche Postkartenlandschaften – es ist eine Versuchung zum idyllischen Klischee, zur heilsamen Innerlichkeit in diesem Beobachten. Und man ertappt sich dabei, daß man das gar nicht vorwerfen will, ob all der Geschichten, die sich in diese Bilder flechten. So wie man auch nicht vorwerfen will, daß hier jedes Bild und jeder Schnitt, mithin die Tonspur, eben wieder mal einer Fernsehdoku Genüge tun, nicht aber dem Kino.

Genau das nun hat man alles schon oft gesagt und mag sich eigentlich nicht mehr wiederholen. Und doch bleibt eben immer wieder die Frage, wieso Produktionen, die im TV bestens aufgehoben wären, es darauf anlegen, im Kino zu laufen, wo ihnen dann vorrangig eins passiert: Sie verlieren an Wirkung.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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