Originaltitel: SCORCHED

USA 2003, 90 min
Verleih: Universum

Genre: Gangster, Komödie

Darsteller: Alicia Silverstone, Rachel Leigh Cook, Woody Harrelson, John Cleese

Regie: Gavin Grazer

Kinostart: 04.09.03

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Abgezockt!

Aufstand der Mediokren

Was passiert, wenn in einem Wüsten-Provinznest drei schlecht bezahlte Bankangestellte gleichzeitig beschließen, ihre Stellung zu mißbrauchen, um bequem die Bank auszurauben und mit vollen Taschen aus dem ewigen Mittelmaß auszubrechen, ohne von den kriminellen Energien der jeweils anderen Kollegen etwas zu ahnen? Es entsteht eine schlitzohrig ausgebuffte Gangster-Komödie mit irrem Drive und voller Einfallsreichtum, die den Zuschauern die Socken auszieht und in die stets geöffneten Münder stopft? Oder das verkorkste Modell einer solchen Komödie mit allzu absehbaren Wendungen, Plattmachhumor und billigen Slapstick-Einlagen? Bingo.

Der Film macht zudem den Fehler, sich nicht auf die drei Protagonisten zu konzentrieren: die Kassiererin Sheila, die mit dem Bankdirektor zusammen war und von diesem sitzen gelassen wurde. Den Musterangestellten Stuart, der sich von seinem mehr als bekloppten Kumpel Max dazu überreden läßt, sich 250.000 Dollar zu "leihen" und sein Glück in Las Vegas auf die Probe zu stellen. Und den Öko-Freak Woods, der sich für den Tod einer Ente an Charles Merchant, einem der reichsten Kunden der Bank, rächen will. Erzählt wird auch noch die Geschichte von Shmally und ihrem Mitbewohner, zwei arbeitslosen Einfaltspinseln. Er ist auf der Suche nach einer Stelle (es darf geraten werden, wo er am Ende eine findet); sie flüchtet sich als verkappte Amazone in die Welt der Fantasy-Rollenspiele und hat ebenfalls ein Hühnchen mit Charles Merchant zu rupfen.

Viel zu viele Erzählstränge, die sich gegenseitig im Weg stehen und die Handlung blockieren. Auch der sprunghafte Montagestil, offensichtlich als besonders innovatives Verbindungsmittel gedacht, greift nur an wenigen Stellen. So immerhin in der Schlüsselszene: auf einem dreigeteilten Bildschirm rollt Stuarts Roulette-Kugel um sein Schicksal, während Woods und Sheila in der Bank aneinander vorbei einbrechen.

Ein kleines Glück für den Film ist sicherlich John Cleese in der Rolle des Menschen- und Entenfeindes Merchant. Die Figur ist zwar völlig überzogen, aber wer wäre John Cleese, wenn es ihm nicht gelänge, der Bösartigkeit und Unverfrorenheit dieses Mannes noch die Krone aufzusetzen. Ihm ist es denn auch vorbehalten, den prägnantesten Satz des Filmes zu sprechen: "Das ist alles ... äußerst ... uninteressant."

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

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