Originaltitel: ABOUNA

F/Tschad 2002, 85 min
Verleih: Kairos

Genre: Drama, Erwachsenwerden

Darsteller: Ahidjo Mahamat Moussa, Hamta Moctar Aquid

Regie: Mahamet-Saleh Haroun

Kinostart: 08.07.04

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Abouna – Der Vater

Zwei Brüder suchen ihren Vater

Am anderen Ende von Afrika, ein Mann blickt über die Wüste. Er wird nie zurückkehren. Schon die ersten Minuten wühlen im Gefühl des Zuschauers. Die endlose, trockene Weite der Landschaft, das wettergegerbte Gesicht und ein wortloser Abschied. Dieser Film entführt in eine fremde Kultur und erreicht dabei eine stille Intensität.

Am Morgen stehen die Brüder Tahir und Amine auf. Wie an jedem Tag fällt die Wasserzufuhr aus, von der Straße hört man geschäftiges Treiben. Dann kommt ihre Mutter Achta heim und gibt den Jungen bekannt, daß der Vater nicht mehr zurückkehren wird. Tahir und Amine machen sich auf die Suche nach ihm, fragen den Onkel, einen Straßenmusiker, stehen an der Grenzbrücke. Doch der Vater ist nirgendwo zu finden. Ihre Mutter spricht nur noch wenig mit ihnen, schweigt ihre Enttäuschung aus. Und wenn sie etwas sagt, dann beschimpft sie Tahir, den älteren Sohn, er sei ebenso unverantwortlich, wie sein Vater. Tahir läßt seinen Frust am kleinen Bruder Amine aus, der wiederum wird vor Kummer krank. Nach einer Dummheit der Jungen gibt Mutter Achta sie in eine Koranschule, wo sie Verantwortung und Disziplin lernen sollen. Ein neues Leben, neue Freunde, doch der Vater fehlt. Als Amines Krankheit sich verschlimmert, beschließen die Brüder zu fliehen.

Die Authentizität von ABOUNA fesselt von Beginn an und braucht nur wenig Worte. Daß Metaphern und reales Geschehen unmerklich ineinander fließen, ist wohl dem Talent von Autor und Regisseur Haroun zuzuschreiben. Da entdecken die Jungen ihren Vater auf der Kinoleinwand und entwenden die Filmrolle, um ihn bei sich zu haben. Der Vater schickt eines Tages ein Plakat mit einem Strandmotiv. Von der Sehnsucht der Brüder wird es zum Leben erweckt.

Dennoch beobachtet Haroun auch das reale Geschehen sehr genau. Der ungewöhnlich lebendige Klangteppich und die ruhige Kamera schaffen das Umfeld für die Reise zum Erwachsenwerden. Anfangs selbst noch ein Kind, eignet sich Tahir nach und nach Aufgaben des Vaters an. Inmitten des chaotischen Lebens entdeckt er schließlich die Liebe.

ABOUNA weckt Gedanken, wie bewußt wir uns freundschaftlicher und familiärer Bande sind. Und macht Hoffnung, daß in Verlusten auch ein Neubeginn stecken kann.

[ Roman Klink ]

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