D 2000, 91 min
Verleih: Pegasos

Genre: Biographie

Darsteller: Josef Bierbichler, Monica Bleibtreu, Margit Rogall

Regie: Jan Schütte

Kinostart: 28.09.00

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Abschied - Brechts letzter Sommer

Unentschiedene biographische Episode

Ein knappes Jahrzehnt hat sich Autor Klaus Pohl mit dem Projekt Brecht auseinandergesetzt, und vor vier Jahren stieß Jan Schütte, der Regisseur von FETTE WELT dazu. Und so hätte es fast noch ein Beitrag zum hundertsten Geburtstag des deutschen Dramatikers werden können. Sei’s drum, für ambitionierte Geschichten ist immer die richtige Zeit, muß man sich wohl gesagt haben. Erzählt werden die Ereignisse eines Tages im Sommer 1956. Müde, mit hohem Fieber und schon schwer von seiner Herzkrankheit gezeichnet, sitzt Brecht frühmorgens an der Schreibmaschine. Im Garten ist Tochter Barbara dabei, die geliebte alte Kappe des Vaters zu verbrennen. Der wird den Rest des Tages damit zubringen, das gute Stück im ganzen Haus suchen zu lassen. Denn er liebt seine Kappe, gerade weil sie alt ist und stinkt. Helene Weigel, seine Frau, hat viel zu tun. Denn Brechts Abreise nach Berlin muß vorbereitet werden. Und dann haben sie ja auch noch Besuch: Ruth Berlau, die Geliebte ihres Gatten, Käthe Reichel, die Geliebte ihres Gatten, Isot Kilian, ebenfalls seine Geliebte, Wolfgang Harich, der Mann der Kilian, und schließlich die verhuschte Elisabeth Hauptmann.

Es geht wild durcheinander im kleinen Häuschen am See bei Buckow, und Schütte tut nicht viel, um das Chaos zu lenken. Man braucht schon eine Weile, bis die Figuren identifiziert sind. Und während man sich fragt, wer hier wer ist, plätschert der Tag so vor sich hin: Knödelessen, Streit und Versöhnung unter den Frauen und schließlich gar eine Pionierdelegation, die den alten Dichter zu Tränen rührt. Schütte müht sich um ein differenziertes Bild, so sehr, daß kaum zu sagen ist, worum es ihm geht. Seine allzu vorsichtige Mischung aus Huldigung und Demontage nimmt sich immer dann zurück, wenn sich wirkliche Abgründe auftun. Die Schauspieler versuchen, dem zähen Plot Dramatik abzuringen, indem sie für die sprichwörtliche letze Reihe mimen - im Theater unumgehbar, im Film eigentlich unnötig.

[ Sylvia Görke ]

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