D 2015, 90 min
FSK 12
Verleih: Constantin

Genre: Komödie, Teenie

Darsteller: Tilman Pörzgen, Chris Tall, Max von der Groeben, Florian Kroop

Stab:
Regie: Tim Trachte
Drehbuch: Tim Trachte

Kinostart: 21.05.15

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Abschußfahrt

Möge das Chaos mit ihnen sein!

Alles eine Frage der Wahrnehmung: Zwar soll der im Unterricht gezeigte Film zum Prager Frühling bei den Gymnasiasten geschichtliches Interesse wecken, doch hauptsächlich bleibt der Panzer in Erinnerung. Das Jungvolk setzt eben ganz eigene Prioritäten, vor allem dann, wenn man – wie im Falle von Paul, Berny und Max – zu den Außenseitern zählt. Daß am Ende die erträumte Panzerfahrt schließlich actionhaltige Realität werden soll, wissen die Nerds noch nicht, als eine Klassenfahrt nach Prag auf dem Plan steht. Das Trio faßt den Entschluß, mal richtig abzufeiern.

Doch die „Goldene Stadt“ zeigt sich vorerst von ihrer maximal bronzenen Seite – das Hotel eine üble Bruchbude, „Internet kaputt“ (wie eine der Social-Media-Sucht erlegene Schülerin darauf reagiert, stellt definitiv die beste Szene des ganzen Films), außerdem wird lehrerseitig Ausgangssperre verhängt. Immerhin: Letztere umgeht man durch recht kreative Beseitigung der Aufsichtsperson, das Nachtleben würde locken, hätte sich Paul nicht überreden lassen, auf den leicht autistischen Bruder seines heimlichen Schwarms Juli zu achten.

Nunmehr zum Quartett angewachsen, zieht’s die Jungs hinaus zu bislang unbekannten Vergnügungen erotischer bis krimineller Art, wobei zwangsläufig jedes Fettnäpfchen betreten, jede Peinlichkeit kumpelhaft umarmt wird. Als Zuschauer nimmt man da besser die Füße hoch, denn der Film kommt über weite Strecken herrlich flach, ohne sich dafür zu schämen oder gar zu entschuldigen. Das mag im überkorrekten Deutschland für Ohnmachtsanfälle sorgen und Moralhüter zum Zähneknirschen bringen, Spaß versprechen gewaltbereite englische Transen im Brautkleid, unabsichtlich amputierte Gliedmaßen oder ein Allesverkäufer (Uzi? Fernseher? Ziege?) allemal. Weil Regisseur und Drehbuchautor Tim Trachte zwar einerseits der Zielgruppe jederzeit genau jenes Party-Chaos gönnt, welches die Generation Tablet so gern tagtäglich leben möchte, andererseits aber auch versteckte Spitzen gegen die seit Menschengedenken universell wuchernde Auf-dicke-Hose-machen-zur-Verschleierung-eigener-Unsicherheit-Großmäuligkeit Jugendlicher abfeuert.

Ständig nach „Titten“ gierende Halbstarke kennen selbige vermutlich nur aus Hochglanzmagazinen, der „Schwuchtel“-Geiferer orientiert sich sexuell vielleicht erst noch, und wer von seinem Vater schon als Teenager die Familienuhr vererbt kriegt, tut gut daran, sie dem Recycling zuzuführen. Alles das weiß Trachte. Und macht daraus – ungeachtet eines einleitenden Kotzgags, zu prall gefüllter Blondinen-Slips, Jenny Elvers als Imbißbuden-MILF und ähnlicher Zoten – einen manchmal geradezu punktgenauen Ausflug in die Problemzone namens Erwachsenwerden.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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