D 1999, 81 min
Verleih: Senator

Genre: Erwachsenwerden, Drama

Darsteller: Florian Lukas, Frank Giering, Jochen Nickel

Stab:
Regie: Sebastian Schipper
Kamera: Frank Griebe
Produktion: Tom Tykwer

Kinostart: 30.09.99

Noch keine Bewertung

Absolute Giganten

Ergreifende Geschichte über die Schwierigkeiten einer Freundschaft am Tor zur Welt

Ricco hat einen beschissenen Job als Burger-Brutzler in einem Fast Food-Laden. Walter schlägt sich jeden Tag lustlos als Automechaniker durch - tyrannischer Chef inklusive - und Floyd verbüßt seine Bewährungsstrafe als Krankenpfleger. Die Abende verbringen die Freunde gemeinsam, machen Hamburg mit Walters Ford Granada unsicher und träumen davon, das große Los zu ziehen. Rauskommen.

Als Floyds Bewährungsstrafe aufgehoben wird, erzählt er seinen Freunden, daß dieser Abend der letzte gemeinsame ist. Floyd wird auf einem Containerschiff anheuern - Kapstadt, Singapur und dann der Rest der Welt. Auf jeden Fall weg von Hamburg, raus aus dem Mief, keine Sorgen mehr - notfalls eben auch ohne die guten Freunde. Die Depression vom Tor zur Welt überwiegt.

Ricco und Walter reagieren gespielt locker, sind aber unbeschreiblich verletzt. Todtraurig. Doch die letzte Nacht soll nicht durch Abhängen versaut werden. Los geht’s in Walters getuntem Vehikel. Blöde Idee, die Stammkneipe - Herd aller Frustrationen - als erste Station anzulaufen. Die Verzweiflung über die anstehende Trennung weicht blanker Aggression. Wie so oft kriegt sich vor allem der stets rebellisch ungehaltene Ricco nicht so ganz ein. Schnell raus aus dem Laden und auf zu den richtigen Spaßmachern. Von einer Elvis-Stuntshow in einen abgefuckten Club-Bunker, von einem Fast Food - Laden ("Wir nehmen alles, und das bitte drei mal") in einen düsteren Kicker-Keller. Hier beweist sich, daß die drei Freunde zusammen die absoluten Giganten sind. Das Team zieht der gefürchteten Kicker-Legende Snake die Hose vom Hintern.Für einen winzigen Moment ist alles endlos. Wie früher.

Man möchte Sebastian Schipper für dieses Meisterwerk umarmen. Er bemüht sich gar nicht, seine kleine Geschichte zum großen, pathetischen Bildnis einer Generation aufzublasen. Nein, er setzt auf Eindrücke, Stimmungen und vor allem Gefühle. Es will einem fast das Herz zerreißen, wenn Floyd seinen Abschied verkündet. Gerade Riccos verzweifelt cooles Rapper-Gehabe trifft einen voll. Der Kleine ist so verletzt, so hoffnungslos, bricht doch mit der Freundschaft der einzige Bund weg, auf den er zählen kann. Seine Familie ist voll im Arsch und der ganze Rest in dieser Scheißstadt funktioniert sowieso nicht.

Sebastian Schipper hat es mit seinem Erstling einfach drauf; er trifft so haargenau Empfindungen wie Verlust, Fernweh und Sehnsucht. Mit diesen tiefen Emotionen muß sich doch jeder identifizieren können. Und die begnadeten Darsteller: Frank Giering und Antoine Monot, Jr. sind in ihrer Gegensätzlichkeit unbeschreiblich gut und überzeugend. Florian Lukas als Ricco ist allerdings der Überflieger. Ein kleiner Gott.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

Lesezeichen:

Ersten Kommentar schreiben zur Rezension oder zum Film




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.