CH/Österreich 2004, 87 min
Verleih: Ventura

Genre: Dokumentation, Musik

Regie: Stefan Schwietert

Kinostart: 14.04.05

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Accordion Tribe

Die Rehabilitierung des tönenden Blasebalgs

Quetschkommode, Schifferklavier - schon die Spitznamen des Akkordeons künden von der tiefen Verwurzelung des Instruments in der Volksmusik, wohlgemerkt vieler europäischer Länder. Freilich war es früher populärer.

Doch auch heute gehört auf jedes zünftige Volksfest, ob in Bayern, Slowenien oder Schweden, ein Akkordeon, wogegen man in den meisten Musikhochschulen umsonst nach dem Studiengang Akkordeon sucht, weil es als klassisches Instrument nicht durchgeht. Daß man der verlachten, handlichen kleinen Schwester der Orgel trotzdem ganz ungeahnte Klänge entlocken kann, die von Rumtata und Schunkelwalzer weit entfernt sind, das zu beweisen trat die Formation "Accordion Tribe" (erstmals 1996) an, und der gleichnamige Dokumentarfilm bringt das musikalische Ereignis jetzt auf die Leinwand.

Gemeint sind nicht etwa die Beethovens-Fünfte spielenden riesigen Akkordeon-Orchester, an die sich der Amerikaner und Häuptling des Akkordeon-Stammes Guy Klucevsek noch erinnert - entsprechende Fotos aus den 60ern laden zum Schmunzeln ein. Wohl aber etwas in der Art. Man bringe fünf begnadete Akkordeonisten aus fünf Ländern zusammen und schaue, welche Energie sich daraus entfaltet. Guy Klucevsek wurde mit seiner Initiative zu so etwas wie dem Ry Cooder des Blasebalgs. Von nun an plätschern und klingen die musikalischen Bäche virtuos zusammen: Klucevseks Neuerfindung der Polka, die Romantik des Schweden Lars Hollmer, die Schlichtheit der Finnin Maria Kalaniemi, die verrückten Klänge des Slowenen Bratko Bibic und die Jazzanleihen des Österreichers Otto Lechner. Sie alle komponieren ihre eigenen Stücke, sie alle haben die Grenzen der Volksmusik überschritten, um auf ihre Weise zu den Wurzeln des Instruments zurückzukehren.

Der Film begleitet sie auf ihrer Tournee durch Europa. Zwischen Touralltag und kleinen Einzelporträts bekommt er die unterschiedlichen Persönlichkeiten zu fassen, ihr Verständnis von Musik, die Eleganz und Ästhetik des Instruments. Kurzweilig, sinnlich und mit Blick für Humorvolles.

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

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