D 2018, 95 min
FSK 0
Verleih: Neue Visionen

Genre: Drama

Darsteller: Florian Teichtmeister, Anne Kanis, Lena Lauzemis, Christin Alexandrow

Regie: Andreas Goldstein

Kinostart: 10.01.19

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Adam und Evelyn

Vertreibung aus dem Paradies

Gehen oder bleiben? Für viele DDR-Bürger wurde diese Frage spätestens im Sommer ’89 akut, als es über Ungarn eine reale Fluchtchance gab. Auch Damenschneider Adam und Kellnerin Evelyn zieht es aus ihrer sommerlichen Gartenidylle an den Balaton. Eigentlich wollen sie dort nur Urlaub machen, aber dann schaut der stille Adam zuvor einer Kundin bei einer Anprobe etwas zu tief in die Augen. Daraufhin macht sich Evelyn wutentbrannt zusammen mit einer Freundin und deren Westbekanntschaft Michael auf den Weg nach Ungarn. Adam zuckelt im Warti hinterdrein und gabelt zwischendurch Katrin auf, die ohne Papiere unterwegs ist und unbedingt „rübermachen“ will. Am Plattensee angekommen, entspinnt sich ein Paartauschreigen, der so unversehens endet, wie er begann, als die Grenze zu Österreich aufgemacht wird. Kurz-entschlossen fahren Adam und Evelyn in den Westen, wer weiß schließlich, ob sich diese Gelegenheit noch einmal bieten wird … 

ADAM UND EVELYN nach einem Roman von Ingo Schulze erzählt von einem Schwebezustand, als plötzlich alles möglich scheint. Mit einer eigenwilligen Mischung aus Melancholie und Lakonie porträtiert er Menschen, die unverhofft mit den Möglichkeiten konfrontiert sind, von denen sie immer zu träumen glaubten. Doch jeder Neubeginn birgt auch unwiederbringliche Verluste. Das ist keinem so klar wie dem schweigsamen Adam, dem seine gemütliche Nische, die er in der DDR bewohnte, im Grunde genug war. Was soll auch ein Schneider im Westen, wo es bereits nur alle erdenklichen Kleider gibt? Das Paradies – es offenbart sich immer erst in der Rückschau. Evelyn und Katrin hingegen begegnen offen dem neuen Leben. 

In langen, ruhigen Einstellungen verharrt die Kamera auf den Gesichtern der Protagonisten. Ihre knappen Dialoge lassen den stillen Bildern viel Raum. Ostdeutschland und Ungarn werden in sehnsüchtiges Sommerlicht getaucht. Die menschenleeren Landschaften sind voller wild-romantischer Orte, Vogelgezwitscher erfüllt die Luft, Grünzeug wuchert, und eine Schildkröte tapst durchs Gras – anstelle einer Schlange. 

Im Westen angekommen, ist dann schon Herbst. Das fahle Licht fällt nun auf sterile Inneneinrichtungen. Zukunftspläne werden geschmiedet, Realitäten abgewogen. Evelyn erwartet ein Kind, das in der besten aller Welten aufwachsen soll. Einer Welt ohne Kriege und Ideologien im immerwährenden Konsumglück. Oder etwa doch nicht?

[ Dörthe Gromes ]

Lesezeichen:

Adam und Evelyn ab heute im Kino in Leipzig

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