Originaltitel: ADELANTE MUCHACHAS!

D/Honduras 2004, 60 min
Verleih: Eigenverleih

Genre: Komödie, Erwachsenwerden

Darsteller: Cristel Martínez Maradiaga, Kenia Patricia Cortés Rico

Regie: Erika Harzer

Kinostart: 14.04.05

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Adelante Muchachas!

Wenn Fußball Welten verbindet

Wie die anfangs begleitende Off-Stimme zu berichten weiß, leben in Honduras mehr als fünf Millionen Einwohner unterhalb des Existenzminimums, und erweitert sich die Kluft zwischen Arm und Reich stetig. Vereint wird das Land nur durch die Liebe zum Fußball, welchen mittlerweile auch patente Mädchen für sich entdecken.

Auf dem Spielfeld können zum Beispiel Wendy und Seydi vergessen, daß sie ohne große Zukunftsaussichten in Elendsvierteln leben. Im Kampf um den Sieg stehen beide auf der gleichen sozialen Stufe wie Cristel oder Kenia, zwei Kinder gut betuchter Eltern. Doch die Mädchen wirbeln nicht nur beim Rennen über den Platz mächtig Staub auf: Frauenfußball ist verpönt, die Spielerinnen müssen sich "Mannweiber" schimpfen lassen. Vor diesem Hintergrund beobachtet und befragt Regisseurin Erika Harzer die vier Spielerinnen, läßt sie über die Liebe zum Sport, Vorurteile oder fehlende Umkleidekabinen sprechen. Doch obwohl der Fokus immer wieder auf den Fußball gerichtet ist, nutzt Harzer auch die Gelegenheit, durch Öffnung des Kontextes ein Bild der Gesellschaft Honduras’ auf die Leinwand zu bringen. Ermordete Verwandte haben darin ebenso Platz wie Diskriminierung, Polizeiwillkür und Verbrecherbanden. Harzer urteilt nicht und enthält sich jeglichen Kommentars. Vielmehr gibt sie den Mädchen Raum, über sie bewegende Themen, Träume und Nöte zu sprechen. In solchen Augenblicken blitzt selbst unter der kühlen Fassade Wendys immer wieder Verletzlichkeit auf, wird ihre Stimme leiser und gewinnen Aussagen an Emotionalität.

Letztlich könnte man ADELANTE MUCHACHAS! als realistischen Gegenentwurf zu KICK IT LIKE BECKHAM bezeichnen: befreit von Kitsch, ungleich näher am Leben und audiovisuell überaus interessant. Wenn Seydi & Co. zu mitreißenden Rhythmen über den Platz fegen, ähnelt dies aufgrund geschickter Schnittechnik teilweise fast einem Ballett – was jedoch nicht verkrampft künstlerisch wirkt, sondern einen weiteren Beweis für das sorgfältige Interesse, mit dem hier zu Werke gegangen wurde, darstellt.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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