CH/D/NL 2003, 110 min
Verleih: Pegasos

Genre: Dokumentation

Regie: Ulrike Koch

Kinostart: 08.07.04

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Ässhäk – Geschichten aus der Sahara

Leben unterm Sternenzelt

Ässhäk und Gottesfurcht, das ist das gleiche, berichtet der alte Geschichtenerzähler El Hadj Ibrahim Tshibrit: Es bedeutet, alle Lebewesen zu achten. Ässhäk ist ein Leben in Einklang mit der Natur, das heißt der Wüste. Ein Leben, von dem wir in der industrialisierten Welt scheinbar unendlich weit entfernt sind. Doch zum Glück gibt es das Kino, um uns das Unendliche näher zu bringen. Wer ÄSSHÄK auf sich wirken lassen will, darf knapp zwei Stunden seine vertrauten Gebräuche und Gedanken ablegen und sein Lager in der Sahara unterm Sternenhimmel aufschlagen. Das Lagerfeuer prasselt, die einseitige Imzad-Geige singt ihre Lieder und der alte Geschichtenerzähler erzählt ein Märchen, das Wirklichkeit geworden ist.

Nein, wir befinden uns nicht in einer Karl-May-Verfilmung, sondern tatsächlich bei den Tuareg, einem Nomadenstamm in der Sahara. Ulrike Koch hat ihren Alltag geteilt und ein faszinierendes Porträt der Wüsten-Menschen abgeliefert. Obwohl sich deren Lebensweise seit Jahrhunderten kaum verändert hat, lassen sie sich scheinbar ohne Scheu bei ihren täglichen Handgriffen und Ritualen dokumentieren. Auf äußere Erklärungen wird im Film jedoch verzichtet. Die Bilder und die Poesie des Alltags stehen für sich. Nicht zu vergessen die Musikalität der Menschen, denen Rhythmus und Gesang im Blut liegen.

Ein Mann auf der Suche nach einem entlaufenen Kamel bildet die lose Rahmenhandlung. Der Weg führt auf dem Wüstenschiff von Zeltlager zu Zeltlager, wo die Frauen das Kommando haben. Zu einer feierlichen Geburtszeremonie. Und zum Marabu, einem heilkundigen Weisen, den wir beim Zubereiten eines Trankes aus Korantexten antreffen. Islamische und vorislamische Gebräuche verschmelzen zu einer humanen Naturreligion, in der das Kamel das schönste Tier der Welt ist, weil es zwischen Himmel und Erde wandelt.

Auch wenn die Kamera zeitweise ins Träumen gerät, um Verklärung geht es nicht. Die Geschichten, die der Film erzählt, sind den Lebensumständen geschuldet. Und doch spürt man den Reichtum dieser schlichten und vom Fortschritt unbeeindruckten Kultur.

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

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