Originaltitel: AFTER

USA 2019, 106 min
FSK 0
Verleih: Constantin

Genre: Drama, Liebe, Literaturverfilmung

Darsteller: Josephine Langford, Hero Fiennes Tiffin, Selma Blair, Peter Gallagher, Jennifer Beals

Regie: Jenny Gage

Kinostart: 11.04.19

Noch keine Bewertung

After Passion

Barbie und Bubi, vereint in der Retorte

Enthüllung vorab: Jeglicher Kontakt des Autors vorliegender Rezension mit Anna Todds Romanvorlage beschränkte sich auf visuelle Wahrnehmung plus höfliches Ignorieren. Anders formuliert: Der Schmöker lag im Dunstkreis rum und weckte kaum Interesse. Komplexe Vergleiche oder Analysen sind daher unmöglich, gebühren den – wie man liest – Abermillionen Fans, deren Existenz angeblich nur um diese Adaption zirkelt.

Jedenfalls wird uns Unkundigen völlig unvorbereitet sofort und gleich hohe Philosophie ins Ohr sinniert: „Es gibt Momente im Leben, die uns für immer prägen.“ Abgesehen davon, daß keine der vielen sich anschließenden Filmsekunden gemeint sein kann: uiuiui! Rausgehauen hat den Gedankenabgrund Tessa, ein hübsches Ding, wenn man auf Püppchen steht, super fleißig, mega ordentlich, total keimfrei. Dazu Freund Noah, Fan von Oberteilen in frischem Mausgrau, und eine moralfrustrierte, blondgesträhnte General-Mama, alleinerziehend, ihr Gatte kam früh abhanden. Ehrlich: Bei der Dame war Flucht echt die einzige Option. Tessa nun zieht’s ans College, eine straff organisierte Zukunft winkt schwach ums Eck, die neue Mitbewohnerin (eine scharfe Rotgefärbte) verstört zunächst primär Mutti, dann geht’s gemeinsam zur ersten Party, was Noah zickig darüber informieren läßt, daß Tessa ihn enttäuscht hätte. Frühvergreisungsalarm?

Besagtes alkoholumnebeltes (ein Schluck!) Beisammensitzen führt zu Tessas Treffen auf Hardin, den berüchtigten Bad Boy des Campus’, wie Todd halt so jemanden erträumt: paar Tattoos (aufgemalt), Babyface, sieht ständig aus wie ein seiner Süßigkeiten beraubtes Kind. Behält beim Spontanbad im Waldsee schicklich die Shorts an. Und kann aus Emily Brontës „Sturmhöhe“ zitieren. Logisch: Tessa glitscht bei derart zur Schau gestellter Virilität, jener zupackenden Testosteronattacke, schier nach allen Seiten aus, verabreicht ihrem alten Ich den Arschtritt und klebt sich Hardin ans irgendwann doch fallende Unterhöschen.

Währenddessen findet wundersame Zeitvermehrung statt, 106 Minuten scheinen neun Stunden lang, Tessa löst das zum sekundenkurzen Aufschrecken bringende Versprechen „Ich bin voller Überraschungen!“ nie ein, Hardin hingegen sägt natürlich bald an aufgebauten Grenzzäunen: „Wir hatten Spaß, aber ... ich date nicht!“ Dialoge kreischen hingedrechselt, Gefühle wabern realitätsfremd, beides kulminiert in dramatischen Szenen zu schon furchteinflößender Streitkultur: „Noah! Noah!“ – „Tessa ...“ – „Geh’ nach Hause, Hardin!“ Denn klar folgen Rehaugen-Close-ups, bebenden Lippen und jungfräulichem Geächz künstlich aufgebauschte Lügen, rausgequetschte Tränen und Trauermärsche durch pünktlich einsetzende Wolkenbrüche; ausgleichend lacht Noah vermutlichen Trennungsschmerz einfach weg.

Da nagt im Dauerdelirium bloß die Frage, ob wohl noch ödere Jungs (von Männern ist hier weit und breit nix zu entdecken, Peter Gallaghers routiniert runtergespulten Gastauftritt ausgenommen) hätten gecastet werden können. Es erwacht Neid angesichts gepolsterter Hörsaalstühle, wo man selbst sich damals – ewig her! – am abgeranzten Uniholzmöbel regelmäßig Splitter einzog. Und ein weiterer Kinder-wie-die-Zeit-vergeht-Anflug sorgt für Wehmut: Selma Blair, einst im weitaus besseren EISKALTE ENGEL als nölige Göre gefeiert, mimt heute die Matronen-Mom. Seufz ...

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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