Originaltitel: AI WEIWEI – THE FAKE CASE

DK/China/GB 2013, 89 min
FSK 0
Verleih: mindjazz

Genre: Dokumentation

Regie: Andreas Johnsen

Kinostart: 05.06.14

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Ai Weiwei – The Fake Case

Die Welt mit Ai Weiweis Augen?

Wie macht man einen Film über einen Künstler, der seinen Alltag längst selbst veröffentlicht? Der dänische Regisseur Andreas Johnsen setzt der Bilderflut, die Ai Weiwei täglich in den Orbit schickt, eine zurückgenommene Perspektive entgegen und versucht, „die Welt mit Ai WeiWeis Augen zu sehen.“

Der Filmdreh beginnt an dem Tag, an dem der 56jährige Ai Weiwei nach einer 81 Tage andauernden Einzelhaft nach Hause entlassen wurde. Dem streitbaren Künstler werden „Wirtschaftsverbrechen“ vorgeworfen, die schikanösen Haftbedingungen haben ihn zwar sichtlich geschwächt, aber nicht nachhaltig eingeschüchtert. Seinem Hausarrest setzt er das Prinzip Öffentlichkeit entgegen. Da er China nicht verlassen kann, lädt er die Welt eben in sein Pekinger Studio ein; täglich geben sich hier Journalisten, Künstler und Mitarbeiter die Klinke in die Hand.

Während dieser betriebsreichen Phasen beschränkt sich Andreas Johnsen auf die Beobachtung der allgegenwärtigen Inszenierungen der Anwesenden. Zwischen Weiwei und dem internationalen Trupp der Berichterstatter hat sich längst eine symbiotische Beziehung entwickelt: Sie alle brauchen einander, gehen aber sehr taktisch miteinander um. Zunächst scheint es, als ob Weiwei diese Taktik bei Johnsen außen vor läßt. Sogar in sehr privaten Momenten läßt er sich mit der Kamera begleiten, etwa, wenn er mit seinem kleinen Sohn Ai Lao spielt, seinen Blutdruck mißt oder müde auf den Bildschirm schaut. Auch Ai Weiweis Kraft – man spürt es deutlich – ist endlich. Inhaltlich bleibt er trotzdem kompromißlos. Auf die Frage, warum er die chinesischen Autoritäten denn immer wieder reize, antworte er ganz schlicht, daß er niemanden reize, sondern nur seine Menschen- und Bürgerrechte wahrnehme – wie jeder andere auch.

Andreas Johnsens Film kommt dem Menschen Ai Weiwei tatsächlich sehr nahe. Sein Anspruch, die Welt durch dessen Augen zu sehen, läßt sich aber – trotz aller Offenheit – nicht einlösen. Spürbar wird dies zum Beispiel in der allerletzten Einstellung des Films, als Weiwei vor laufender Kamera in die Dusche steigt und sich dann lange das heiße Wasser bei geschlossenen Augen auf den Kopf prasseln läßt. Trotz der Veröffentlichung dieses sehr privaten Moments bleibt das Wichtigste den Zuschauern verborgen: Die Gedanken sind frei.

[ Luc-Carolin Ziemann ] Carolin hat ein großes Faible für Dokumentarfilme, liebt aber auch gut gespielte, untergründige Independents und ins Surreale tendierende Geschichten, Kurzfilme und intensive Kammerspiele. Schwer haben es historische Kostümschinken, Actionfilme, Thriller und Liebeskomödien ... aber einen Versuch ist ihr (fast) jeder Film wert.

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