Originaltitel: UNE ODYSSÉE EN LAPONIE

F/Finnland/Norwegen 2018, 84 min
FSK 0
Verleih: NFP

Genre: Dokumentation, Natur

Regie: Guillaume Maidatchevsky

Kinostart: 14.02.19

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Ailos Reise

Es war einmal ...

… in den tief verschneiten Weiten Lapplands, welche hoch oben im Norden Europas liegen. Da wird bald ein kleines Rentier geboren. Und wenn man an dieser Stelle nicht mit bombastischer Musik und Drohnenflug aus der fast märchenhaften Stimmung gerissen werden würde, hätte man sich eigentlich sofort auf jene intime Augenhöhe mit den „Läufern des hohen Nordens“ begeben, die Regisseur Guillaume Maidatchevsky in den besten Momenten von Ailos Geschichte erschafft.

Dem ausgebildeten Biologen geht es um Empathie, und er will die Tiere als eigenständige Charaktere inszenieren. Dafür beobachtet er mit dem geschulten Blick für den besonderen Moment ihre Reaktionen und erschafft im Schnitt auf diese Weise sehr spezielle Dialoge zwischen den Tieren. Dabei nutzt Maidatchevsky auch die Magie des Humors. Neben der „Finse-Herde“, einer der letzten vier noch wild lebenden Rentierherden Lapplands, dem das Team über Monate auf ihrem Weg von den Bergen hinab auf die saftigen Sommerweiden folgt, gilt es nämlich auch, den vorwitzigen Hermelin oder den verspielten Polarfuchs zu entdecken. Und die nervöse Körpersprache eines Hermelins ist per se einfach zum Lachen. Auch die Erzählung – in der deutschen Fassung sympathisch von Anke Engelke vorgetragen – verströmt eine gewisse Leichtigkeit.

Ob man dabei die Vermenschlichung der Tiere als niedlich oder störend empfindet, ist sicherlich Geschmackssache. Auf jeden Fall wird sichergestellt, daß auch das letzte Kind begreift, wie überaus gefährlich das Leben eines kleinen Rentieres ist, weil überall Wölfe, Bären und andere Unbill lauern. Die Hinweise, daß es eigentlich der Mensch ist, der den Lebensraum der Herden am meisten bedroht, kommen dabei ziemlich kurz. Statt immer wieder dramatische Spannungsbögen zu bauen, hätte ein My mehr an Information zu den Auswirkungen des Klimawandels die Poesie nicht beeinträchtigt.

Im Gegenteil stört das an mancher Stelle an den Haaren herbeigezogene Pathos eher die Wirkung, welche Maidatchevsky nach eigener Aussage eigentlich erreichen will: daß man sich als erwachsener Zuschauer dafür verantwortlich fühlen soll, seinen Kindern eine Natur mit Rentieren zu hinterlassen. Dennoch: Das monatelange Ausharren in der Kälte hat sich trotzdem mehr als gelohnt, denn die Kamera hat intensive, wunderbare Momente in Bilder verwandelt, die die Sinne ansprechen und ganz allein für sich großes Kino sind.

[ Susanne Kim ] Susanne mag Filme, in denen nicht viel passiert, man aber trotzdem durch Beobachten alles erfahren kann. Zum Beispiel GREY GARDENS von den Maysles-Brüdern: Mutter Edith und Tochter Edie leben in einem zugewucherten Haus auf Long Island, dazu unzählige Katzen und ein jugendlicher Hausfreund. Edies exzentrische Performances werden Susanne als Bild immer im Kopf bleiben ...

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