D 2015, 105 min
FSK 0
Verleih: Real Fiction

Genre: Dokumentation

Stab:
Regie: Mario Schneider
Drehbuch: Mario Schneider

Kinostart: 14.04.16

4 Bewertungen

Akt

Die Kunst des Sichtbarmachens

Gabriela ist 50, Uta 66, Anette 26, Max 32. Vier verschiedene Menschen, vier verschiedene Körper, vier verschiedene Leben. Ob sie sich kennen, erfährt man nicht in Mario Schneiders Dokumentarfilm AKT. Möglich wäre es, wichtig ist es nicht. Alle Vier wohnen in Leipzig, und sie alle sind Aktmodelle an der hiesigen Kunsthochschule. Womit sich die Gemeinsamkeiten aber auch schon weitgehend erschöpft haben. Zumindest an der Oberfläche.

AKT folgt diesen Menschen in ihr Leben, folgt ihnen nach Hause oder in die Ateliers der Akademie. Lauscht ihren Geschichten, schaut in ihre Gesichter. So weit, so gut. Nur ist die Frage, die sich dabei zunehmend stellt: Warum gerade diese Menschen? Nicht, daß sie nichts zu erzählen haben, von den Normalitäten bis zu den Extremen dessen, was ein Leben, im Guten wie Schlechten, bereithalten kann. Nicht, daß man dem nicht zuhören mag. Nur: Wo sitzt der Stachel, gerade diesen Vieren zu folgen? Was prädestiniert gerade sie für diese Neugier oder macht sie so besonders für ein darüber hinausgehendes Erkenntnisinteresse? Und worauf zielt dieses?

Der Umstand, daß sie sich nackt zeigen vor Anderen, im, wenn man so will, „Dienste der Kunst“? Man vermag es nicht wirklich genau zu sagen, was Schneider umtreibt, und vielleicht ist genau auch das eine Stärke seines Films. Die, daß er selber etwas zu erkunden versucht, was nur schwer benennbar, schwer greifbar ist. Denn wenn es stimmen sollte, daß, wie Christian Morgenstern sagt, der Körper „der Übersetzer der Seele ins Sichtbare ist“, und wenn es denn stimmen sollte, daß das Kino eine Kunst gerade auch dieses „Sichtbarmachens“ ist, dann versucht AKT sich an nichts Geringerem als am Erkunden dieses Übersetzungsvorgangs selbst.

Das Schwebende, in das Schneider seinen Film kleidet, paßt dazu. Die Musik, pendelnd zwischen Jazzballade und Barock-Arie, die langen Einstellungen, die suggestiv ruhigen Kamerafahrten, geradezu hinein in die Stille und Konzentration der Ateliers. Das ist nicht selten hypnotisch. Und dann, wie ein Kontrapunkt dazu, die Lebensgeschichten, das Erzählen und Zuhören. Nicht zuletzt: der Alltag. AKT entspinnt ein Gewebe aus dem, was Leben ist und was Kunst vermag. Und nähert sich dabei, trotz aller und manchmal auch weitschweifiger Worte, dem an, was sich in den still blickenden, nonverbalen Momenten dieses Films am besten übersetzt zeigt.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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