D 2015, 102 min
FSK 12
Verleih: Missing Films

Genre: Tragikomödie

Darsteller: Heiko Pinkowski, Peter Trabner, Christina Große, Thorsten Merten

Stab:
Regie: Axel Ranisch
Drehbuch: Peter Trabner, Heiko Pinkowski, Axel Ranisch

Kinostart: 12.11.15

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Alki Alki

Ein Glas auf uns und eins auf die Spree

Ein paar Biere, der vorletzte Wodka, die halbe Pulle Wein vom Vorabend, ein Seelenheilbad aus lauter edlen Tropfen. Zur Feier, zum Trösten, egal. Auch wenn ihr Spießer das für zu früh am Tag haltet: Tobias braucht Trost, gleich morgens. Da ist die mäßig erfolgreiche Architekturfirma, in der er an Gemüsestilleben für Betonfassaden und verstiegenen Nutzungskonzepten für Berliner Brachen arbeitet. Da sind die drei halbwüchsigen Kinder, die sanfte Ehefrau, die begehrt werden will – mit Herz und Schwanz und endlich einmal wieder bei vollem Bewußtsein. Den ultimativen Tröster aber findet Tobias in seinem allerbesten Freund „Flasche.“ Und der weiß genau, wann sein Spezi noch fahrtüchtig ist.

„Der nächste Film wird nicht schwul“, hatte Regisseur Axel Ranisch, Von-Praunheim-Schüler mit Talent fürs Ausgefallene, nach ICH FÜHL MICH DISCO angekündigt. Dennoch entfaltet ALKI ALKI am Grunde aller geleerten Gläser die Geschichte einer verhängnisvollen Affäre unter Kerlen: die Liebe eines Mannes zu seiner Sucht. „Flasche“ ist der Geist, der sich nicht austreiben läßt. Er irrlichtert durch die Tage und Nächte dieser zwischen bitterer Entzugskomödie und schrillem Delir-Märchen schwankenden Filmwelt. Er liegt schon da, wenn Tobias zu Anika unter die Bettdecke schlüpft, lümmelt in der Sitzecke, hält dem Kumpel beim Kotzen zärtlich das Haar zurück. Kurz: die Nemesis des Tobias Zach, korpulenter Brillen- und Sorgenträger, ist ein Typ zum Anfassen – mit Bauch, gemütlichem T-Shirt, Zungenkuß, also allem Drum und Dran.

„Allegorie“ nennt sich das in Fachkreisen. Dort staunt man nun, was das gute alte Stilmittel noch so draufhat, wenn es, und zwar ziemlich nackig, im Sozialrealismus ausgesetzt wird. Sollte dies das ungebügelte deutsche Kino sein, das sein Problem – nämlich den Problemfilm – in eine Tugend verwandelt? Das beim Nachdenken über Leberwerte, Verkehrsdelikte und Lebensunfälle bisweilen in Gelächter ausbricht? Zumindest liefert Ranisch den Beweis, daß aus einer angesäuselten Drehbuchidee mit wenig Geld und viel Mut zum erzählerischen, in seinen Underground-Charme verliebten Extremismus eine tragende Konstruktion werden kann. Die fühlt sich mal nach Brecht-Bühne, mal nach Stuhlkreis, mal nach Schlachtfeld und gelegentlich sogar nach Disco an. Spätestens, wenn das spielwütige Männergespann Pinkowski/Trabner die Tanzfläche rockt.

[ Sylvia Görke ]

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