Originaltitel: ALL THE PRETTY HORSES

USA 2000, 117 min
Verleih: Columbia

Genre: Western

Darsteller: Matt Damon, Henry Thomas, Penélope Cruz

Regie: Billy Bob Thornton

Kinostart: 12.07.01

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All die schönen Pferde

Die Cowboys reiten wieder: eine Huftier-Romanze

Einst begann das Western-Genre wehmütig seinen eigenen Grabgesang anzustimmen - rauhbeinigen Heroen machte man mit pazifistischem Gedankengut das virtuose Ballern madig und gelangte vermehrt zu der Einsicht, daß ein gutes Stück Farmland manchmal das einzig Wahre ist.

Ästhetisch offenbar inspiriert von der Idee eines Marlboro Man auf dem langen Ritt zu sich selbst, stellt sich Billy Bob Thornton, bisher vor allem als Schauspieler bekannt, nun mit seiner Adaption des Romans von Cormac McCarthy in die Tradition solch filmischer Abgesänge: Im Texas des Jahres 1949 ist die windige Freiheit auf muskulösen Pferderücken längst nur mehr Gegenstand romantischer Sehnsüchte - vor allem für John Cole Grady (Was für ein Name!). Der sympathische junge Mann, verkörpert von einem wie üblich zwischen "netter Typ von nebenan" und "stille Wasser sind tief" changierenden Matt Damon, reitet also mit seinem ebenso sympathischen Busenfreund Lacey ins gelobte Land freiheitsliebender Pferdenarren - Mexiko. Auf dem Weg zum Rio Grande taucht ein kindlicher Desperado namens Blevins auf, der das Schießeisen zwar beherrscht wie John Wayne in seinen besten Jahren, bei Gewitter aber die Hosen voll hat.

In dieser Episode wird der Offenbarungseid in Sachen sprachlicher Finesse geleistet. Mit kurz angebundenem Blaffen à la "Was meinst’n du?" und "Denke schon." plappern sich die Dialoge wie von selbst und verpassen dem erzählerisch durchaus breit angelegten Werk von vornherein eine häßliche Scharte. Zumal man im kaum überzeugend motivierten Fortgang der Ereignisse - John und Lacey heuern auf einer mexikanischen Ranch an, reiten in ewig dauernden Einstellungen Wildpferde zu, und nach zweieinhalb Blicken sinkt die schöne Alejandra in Johns Arme - feststellen muß: Hier wurde der eigentliche dramatische Knoten geschürzt.

Blevins, den man nach etlichen Filmminuten und einigen Sehnsuchtsgedanken an das einlullende Hufgetrappel aus dem Vorspann fast schon wieder vergessen hatte, ist schließlich der Grund dafür, daß John und sein Freund eine Odyssee durch mexikanisches Gefängnisgrauen antreten.

[ Sylvia Görke ]

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