Originaltitel: ALL THE INVISIBLE CHILDREN

I 2005, 116 min
Verleih: Concorde

Genre: Episodenfilm, Drama

Regie: Mehdi Charef, Emir Kusturica, Spike Lee, Katia Lund, Jordan Scott & Ridley Scott, Stefano Veneruso,

Kinostart: 04.05.06

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Alle Kinder dieser Welt

Plädoyer für das Recht Kind zu sein

Es gibt Filme, denen ohne Bedenken ein hehres Anliegen bescheinigt werden kann, die aufrütteln wollen, die sich in den Dienst der Aufklärung stellen und in den der Schwachen. Für ALLE KINDER DIESER WELT trifft dies zu und auch nicht. In sieben Kurzfilmen haben sich die Regisseure einem gemeinsamen Thema gewidmet, dem Schicksal von Kindern. Die Vorgabe lautete, daß jeder Film im Herkunftsland des Regisseurs spielen müsse. Der Algerier Mehdi Charef erzählt von Kindersoldaten, Kusturica von einem Zigeunerjungen, der zum Stehlen gezwungen wird. Blanca, in der Geschichte von Spike Lee, erfährt, daß sie HIV-positiv ist, wie ihre beiden Eltern. Katia Lund begleitet zwei Straßenkinder in Sao Paolo, und die Scotts bebildern das Trauma eines Kriegsfotografen. CIRO von Stefano Veruso folgt einem Taschendieb in Neapel, und John Woo schließlich berichtet von zwei Mädchen in einer chinesischen Großstadt.

So unterschiedlich die fiktiven Geschichten sind, so verschieden sind auch filmische Qualität und Stil. Der afrikanische Beitrag TANZA setzt auf eine glatte Inszenierung, auf Bildästhetik und Geräusche, Kusturicas BLUE GIPSY, unverwechselbar, auf Rasanz im Erzählen. JESUS CHILDREN OF AMERICA von Lee ist das meisterhafte Porträt einer Kleinfamilie, getragen vom sehr starken Spiel der Protagonisten. Die Scotts wählen eine Parabel und ein konventionelles Format, während sich Lund in BILU & JOAO mit der Handkamera fast eines dokumentarischen Stils bedient, wären da nicht formale Brechungen. Der Italiener Veruso findet am Ende fast zu surrealen Bildern, und John Woo setzt in SONG SONG & LITTLE MAO auf Kontraste im Bild und auf den Zufall im Erzählen.

Ihr Anliegen, das Schicksal von Kindern ins öffentliche Bewußtsein zu rücken, der Originaltitel nennt sie "unsichtbar", kann die Kompilation mit Leichtigkeit einlösen. Schwieriger aber sollte sich für das Publikum das Bewußtwerden der Tatsache herausstellen, daß es von alledem bereits weiß. Darüber hinaus erteilt der Film dem Zuschauer eine Lektion, indem er Zeugnis ablegt von der unglaublichen Stärke der Kinder, von ihrer Fähigkeit, extremen Bedingungen zu trotzen. Am Ende stellt sich somit die Frage, wer die eigentlich Schwachen sind. Die Kinder, deren schweres Schicksal hier exemplarisch ins Blickfeld gerückt wird, oder die Erwachsenen, die sich als unfähig erweisen, ihnen ein Besseres zu ermöglichen?

[ Jane Wegewitz ] Für Jane ist das Kino ein Ort der Ideen, ein Haus der Filmkunst, die in „Licht-Schrift“ von solchen schreibt. Früh lehrten sie dies Arbeiten von Georges Méliès, Friedrich W. Murnau, Marcel Duchamp und Man Ray, Henri-Georges Clouzot, Jean-Luc Godard, Sidney Lumet, Andrei A. Tarkowski, Ingmar Bergman, Sergio Leone, Rainer W. Fassbinder, Margarethe v. Trotta, Aki Kaurismäki und Helke Misselwitz. Letzte nachhaltige Kinoerlebnisse verdankt Jane Gus Van Sant, Jim Jarmusch, Jeff Nichols, Ulrich Seidl, James Benning, Béla Tarr, Volker Koepp, Hubert Sauper, Nikolaus Geyrhalter, Thierry Michel, Christian Petzold und Kim Ki-duk.

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