D 2016, 87 min
FSK 12
Verleih: X Verleih

Genre: Abenteuer, Teenie

Darsteller: Timon Wloka, Timmi Trinks, Janina Fautz, Stipe Erceg

Regie: Christian Theede

Kinostart: 27.10.16

1 Bewertung

Allein gegen die Zeit

Provinzstädtchen und Provinzkino

Hildesheim? Na ja, warum nicht auch mal Hildesheim. Stadt in Niedersachsen, Bistumssitz mit Universität, Fachwerkhäuschen, Rolandbrunnen, Mariendom. Beschaulich, gemütlich, hübsch. Ja, warum also nicht auch mal Hildesheim? Also als Ziel für die Abiturfahrt vielleicht, oder auch als Kulisse für einen Kinofilm.

So wie jetzt in ALLEIN GEGEN DIE ZEIT. Ein Kinofilm eben, in dem es eine Berliner Abiturklasse nach Hildesheim eben und dort in ein Abenteuer verschlägt, das wiederum auf jener Serie „Allein gegen die Zeit“ basiert, die es im öffentlich-rechtlichen Fernsehkanal KiKa auf zwei Staffeln brachte und dabei auch diesen und jenen Medienpreis abstaubte. Was freilich über die Qualität der Serie nichts aussagt. Daß deren dramaturgischer Aufbau dem Konzept der Echtzeit-Terrorthriller-Serie „24“ folgte, sei hier somit auch nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Für die Kinofassung ist es irrelevant.

Sophie, Ben, Jonas, Leo und Özzi sind Berliner Kids, Klassenkameraden, eine verschworene Clique – und auf Abiturfahrt in Hildesheim, wo es just beim Besuch des Doms in selbigem erst zu einer Explosion kommt, und dann finstere Gesellen die Schulklasse entführen. Zwecks Umsetzung finsterer Vorhaben auf eine Burg vor den Toren der Stadt, die ihrerseits allerdings (aus fremdenverkehrsfreundlichen Erwägungen?) eher pittoresk als finster aufscheint. Aber egal. Übersehen jedenfalls haben die Schurken beim Entführen die süße Leo und den schnuckeligen Ben, die sich dann, weil sie nicht nur süß und schnuckelig, sondern auch mutig sind, umgehend aufmachen, ihre Freunde zu befreien, um mit ihnen den Bösewichtern das Handwerk zu legen und – auch das noch! – verzwickte Beziehungsprobleme zu klären. Etwas staubige Fantasy aus der Versatzstückschublade für Einfallslose gibt’s inklusive.

Wo anfangen, wo aufhören mit Nörgeln? Wen aufzählen von den vielen, die dieses Fallbeispiel deutscher Kinoprovinzialität verantworten? Einer Provinzialität, die weniger beschaulich, gemütlich, hübsch ist, als vielmehr bleiern, grau, uninspiriert. Und nein, Hildesheim hat daran keine Schuld. Und ganz sicher auch keiner der Jungdarsteller, die hier wirklich respektabel aus verdammt wenig immerhin noch etwas rausholen. Was man über das Gros ihrer älteren Kollegen eher nicht sagen kann. Weder über die vor, noch über die hinter der Kamera. Aber wo da anfangen, wo aufhören … ?

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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