D 2004, 80 min
Verleih: Piffl

Genre: Dokumentation, Polit

Regie: Michael Trabitzsch

Kinostart: 09.12.04

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Allende – Der letzte Tag des Salvador Allende

Der Kapitän bleibt bis zuletzt

Er zeigte sich gern an der Seite von Castro und Guevara. Doch anders als seine kubanischen Mitstreiter verkörperte Salvador Allende die gewaltlose Revolution. Mit der Stimme des Volkes kam er an die Regierung, mit Waffengewalt wurde er drei Jahre später durch General Pinochet abgelöst. Am 11. September 1973, am Tag des chilenischen Militärputsches, erschoß er sich im belagerten Regierungspalast, in dem er wie ein guter Kapitän als Letzter ausgeharrt hatte, seinen Volksauftrag verteidigend. Die Abschiedsrede, die er spontan durch das Telefon an sein Volk hielt und in der er ankündigte, daß die Revolution ihn überleben werde, ist schon ein ergreifendes Stück Geschichte. Mut und Hoffnung schienen diesen Mann niemals verlassen zu haben. Nicht weniger beeindruckend wirkt die Szenerie draußen, in den Straßen von Santiago: die heranrückenden Panzer, die Stellung beziehenden Truppen, der gebrochene Volkswiderstand, schließlich die Bombardierung des Palastes aus der Luft.

Michael Trabitzsch konnte für seine Dokumentation über die letzten Tage der Regierung Allende zum Teil unbekanntes Archivmaterial verwenden. Die Vorgeschichte, der Machtantritt Allendes und die historische Situation Chiles, wird dabei eher kurz skizziert und mit Bildern aus dem heutigen Santiago ergänzt. Doch auch ohne viele Fakten ist die damalige Umbruchstimmung deutlich spürbar.

Der zweite Teil des Filmes konzentriert sich ganz darauf, die Situation kurz vor dem Putsch und während der Belagerung der Moneda nachzuzeichnen. Spannend wie ein Krimi erzählt sich diese Phase, in der für Regierung und Regierungsgegner alles davon abhing, das Militär für sich zu gewinnen. Durch den letzten Tag und die Stunden der Belagerung führen verschiedene Zeitzeugen, über deren persönlichen Hintergrund wir leider wenig erfahren. Es sind ehemalige Kampfgefährten und treu ergebene Leibwächter, sogar ein politischer Gegner ist dabei.

Man hätte sich ein paar mehr Hintergrundinformationen gewünscht. Trotzdem ist der Film ein lebendiges Porträt vom Ende einer hoffnungsvollen Zeit.

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

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