Originaltitel: TOUT VA BIEN (ON S’EN VA)

F 2000, 95 min
Verleih: Peripher

Genre: Drama

Darsteller: Michel Piccoli, Miou-Miou, Sandrine Kiberlain, Natacha Régnier

Stab:
Regie: Claude Mouriéras
Drehbuch: Claude Mouriéras

Kinostart: 11.01.01

Noch keine Bewertung

Alles bestens (Wir verschwinden)

Bedrückend stilles Familiendrama

Die Schwestern Laure, Beatrice und Claire teilen alles miteinander - Gefühle, Ängste, Alltagssorgen. Eine eingeschworene Gemeinschaft, in der man sich wortlos versteht und die Macken des anderen in jede Überlegung einbeziehen kann. Doch dann meldet sich plötzlich der Vater der drei jungen Frauen zurück. Vor fünfzehn Jahren hatte er Ehefrau und Töchter für eine neue Liebe verlassen. Nun bringt sich der fast Vergessene leibhaftig in Erinnerung, und das wohlorganisierte Dreigestirn droht zu zerbrechen.

Bei der Schilderung des Schwesternparadieses, in das ein Gespenst aus der Vergangenheit poltert, kommt Regisseur Mouriéras mit bescheidenen Mitteln aus: kleine Gesten, die über Jahre gewachsene Vertrautheit andeuten, spitze Zickereien, die in knappen Dialogen skizziert werden und zwischen tiefer Verletzung und erlösendem Gelächter schwingen. Vorbereitung für den Auftritt des ungeschlagenen Meisters - Michel Piccoli in der Rolle des Vaters. Als greiser Mann betritt er die Bühne und zerschlägt, was seine Töchter bisher zusammengehalten hat. In einer Mischung aus Fleisch gewordenem schlechten Gewissen und unverhohlener Dreistigkeit versucht er, den Platz im Leben seiner Töchter, den er vor langer Zeit kampflos aufgegeben hatte, zurückzuerobern.

Mouriéras übt sich in kluger Zurückhaltung, läßt seine Darsteller machen und erreicht, was andere mit tausend wilden Regieeinfällen nicht zustande bringen: er zerrt versteckte Gefühle ans Licht, ohne seine Figuren zu verraten. Mit großem Verständnis zeigt er die emotionale Verstocktheit der drei Frauen, ihre Enttäuschung, ihre Wut. Leise und vorsichtig zustimmend beschreibt er den Vater, der im Bewußtsein seiner schwindenden Lebenskraft ein letztes Aufbäumen versucht. Mouriéras hört auf die Zwischentöne und komponiert aus ihnen ein bedrückend stilles, authentisches Familiendrama.

[ Sylvia Görke ]

Lesezeichen:

Ersten Kommentar schreiben zur Rezension oder zum Film




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.