Originaltitel: NEVER LET ME GO

USA/GB 2010, 105 min
FSK 12
Verleih: Fox

Genre: Drama, Science Fiction, Literaturverfilmung

Darsteller: Carey Mulligan, Andrew Garfield, Keira Knightley, Charlotte Rampling, Sally Hawkins

Regie: Mark Romanek

Kinostart: 21.04.11

6 Bewertungen

Alles, was wir geben mußten

Beklemmendes Jugenddrama vom Bruch des freien Willens

So viel vorab: Dieser Film bleibt in Kopf und Bauch, auch weil er die Chronologie einer kollektiven Vernichtung in Form einer anrührenden Liebes- und Freundschaftsgeschichte erzählt. Mark Romanek hat Kazuo Ishiguros Bestseller für das Kino adaptiert und erzählt in drei auf den ersten Blick harmlos klingenden Kapiteln eine markerschütternde Science Fiction, die so gar nicht fiktiv scheinen will: Hailsham 1978, The Cottages 1985 und Vollendung 1994 – der Kalenderabriß von Kindheit über Jugend bis in den frühen Tod.

Doch vorerst schauen wir auf eine scheinbar glückliche Kindheit im ehrwürdigen Internat Hailsham, wir lernen die drei Freunde Kathy, Tommy und Ruth kennen. Die kurz angetupfte Ausgelassenheit ist trügerisch, denn die ersten Schauergeschichten machen die Runde, warum die Internatszöglinge zum Beispiel nicht hinter den Zaun dürfen. Dann erfahren die Heranwachsenden in einer beim Zuschauer Gänsehaut erzeugenden Szene von ihrem Schicksal, als ihnen eine junge Lehrerin erklärt, was ihre wahre Bestimmung ist, warum jeder geknüpfte Bund schon bald die dann jungen Erwachsenen auseinander reißen wird, warum sie in keinem Fall alt würden: Sie wurden zu „Spendern“ aufgezogen, ihre Organe werden ihnen in mehreren Operationen entfernt. Bald werden ihre Körper von riesigen Narben durchzogen sein ...

Es ist eine bittere Utopie, die hier erzählt wird, und die so nahe geht, weil die filmischen Mittel geerdet sind und kaum denen einer klassischen Science Fiction entsprechen. Hier gibt es keinen technischen Schnickschnack, keine Aliens, keine Megacities, keinen sprachlich aufgemotzten Cyberschabernack, es wird aus der Stille der Provinz erzählt, es geht um ganz normale junge Menschen, nicht überirdisch schön, laut oder auffallend, ganz normale Menschen eben, die sich gegenseitig aufziehen, zusammenhalten, streiten und verlieben. Und die dazu bestimmt sind, brutal getrennt und bis zur sogenannten „Vollendung“ ausgeschlachtet zu werden.

Da scheint es geradezu von zynischer Verzweiflung, wenn sich das Pärchen Kathy und Tommy Illusionen macht, weil Verliebte manchmal drei oder gar vier Jahre „Aufschub“ bekämen. Deswegen aber suchen sie die einstige Rektorin von Hailsham auf. Ein weiterer Gänsehautmoment, was auch an der Glanzleistung Charlotte Ramplings liegt. Die Brust schnürt es einem aber endgültig zu, wenn Tommy und Kathy ihre Freundin Ruth nach der dritten Operation wiedersehen – ein zu Tränen rührender Blick in die Erbärmlichkeit.

ALLES, WAS WIR GEBEN MUSSTEN erzählt die Geschichte einer schier unvorstellbaren Perversion, tut dies ohne den aufgesetzten Ton der Empörung, was diesem Ausnahmefilm umso mehr an nachhaltiger Wirkung verleiht.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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