Originaltitel: ALMOST FAMOUS

USA 2000, 127 min
Verleih: Columbia

Genre: Erwachsenwerden, Musik

Darsteller: Patrick Fugit, Kate Hudson, Billy Crudup, Frances McDormand

Regie: Cameron Crowe

Kinostart: 03.05.01

Noch keine Bewertung

Almost Famous

Zu glatt inszenierter Bravbürgerstreich

Elaine macht sich Sorgen. Nach ihrer frühreifen Tochter treibt es nun den halbwüchsigen Sohn William aus dem mütterlichen Schoß. Der Sproß hat nämlich das hehre Ziel, Journalist zu werden. Musikjournalist! Mit ein bißchen legitimer Halbwahrheit bietet sich ihm die Chance, für das renommierte Musikmagazin Rolling Stone zu schreiben. William soll die erfolgversprechende Rock- und Poserband Stillwater auf ihrer Tour durch Amerika begleiten, um anschließend der auflagenstarken Journaille ein Porträt über die rauhen Knaben zu liefern.

Williams Mutter treibt es bei dem Gedanken "Rockmusik gleich Drogen gleich Vielweiberei gleich moralische Verdammnis" die Kummerfalten auf die Stirn. Zu recht! So kann sich der milchhäutige, lebergefleckte zarte Jüngling zwar eine ganze Weile der Versuchung erwehren, am Ende aber gehen Unschuld und Abstinenz baden. Das macht William sympathisch, den Film aber trotzdem nicht glaubwürdiger. Nun ist bekannt, daß Regisseur Crowe so ein bißchen aus der eigenen juvenilen Vita plaudert, aber scheinbar eben nur so viel, wie es die Amerikaner wohltuend benicken werden. Mal im Ernst: wenn das Musikerdasein, die Exzesse und das vielzitierte Lotterleben der 70er so ausgesehen haben sollen, dann muß man sich der späten Geburt keineswegs länger schämen. Crowe setzt den Weichzeichner an, wo immer es am Breitengeschmack kratzen könnte. Das ist sehr schade, weil es seiner Geschichte um das Erwachsenwerden die Überraschung und die Spannung nimmt. Zu glatt schildert er das versiffte Rockerleben, selbst die Groupies kommen in seinem Bravbürgerstreich engelsgleicher als die selige Prinzessin der Herzen rüber.

Allerdings kann Crowe mit seinem wunderbaren Hauptdarsteller punkten. Patrick Fugit brilliert in seinem Kinodebüt als schüchterner und wißbegieriger William. Ihm gelingt es, die Zerrissenheit des Teenagers ob der lasterhaften Versuchung und der schützenden Mutter herzergreifend und scheinbar routiniert zu spielen. Am Ende ist er zwar erfahrener, erwachsener und geküßt, hat aber - anders als die meisten Knaben in dem Alter - keine Beklemmung, Mutti immer noch herzlich zu umarmen. Solche Jungs gibt es wirklich.

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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