Österreich/D 2013, 113 min
FSK 0
Verleih: Pandora

Genre: Dokumentation

Regie: Erwin Wagenhofer

Kinostart: 31.10.13

1 Bewertung

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Frische Triebe in der Bildungswüste

„Jeder weiß, daß die Schule nicht das Leben ist. Mein Leben aber ist die Schule, was heißt, daß da etwas falsch gelaufen sein muß. Ich will mich beschweren. Aber wie geht das?“ Die Schulkritik der 15jährigen Yakamoz ist nur einer von vielen intensiven Momenten des Films. Dabei ist Yakamoz alles andere als hilflos, denn sie artikuliert klar und deutlich, was sie denkt und fühlt und hat mit Erwin Wagenhofer (WE FEED THE WORLD und LET’S MAKE MONEY) einen Filmemacher gefunden, der ebenfalls für seine Deutlichkeit bekannt ist. Diesmal konzentriert sich der streitbare Österreicher aufs Wesentliche, das allem anderen zugrunde liegt: die Bildung.

Wie gewohnt läßt er keinen Zweifel daran, auf welcher Seite sein Herz schlägt. Das erste und letzte Wort seines Films hat der berühmte britische Erziehungswissenschaftler Ken Robinson, der nicht weniger fordert als eine Bildungsrevolution. In Kindergärten, Schulen und Universitäten müssen endlich statt Gehorsam und Paukerei Kreativität und unkonventionelles Denken in den Mittelpunkt rücken, sonst bleiben die drängenden Probleme der Gegenwart ungelöst, so Robinson.

Die Einigung darauf, daß endlich Schluß sein muß mit dem Höher-schneller-weiter-Streben, fällt Wagenhofer und seinen Gesprächspartnern nicht schwer. Eine positiv formulierte Alternative aufzuzeigen, ist da schon herausfordernder. Am eindrucksvollsten gelingt dies dem spanischen Pädagogen und Schauspieler Pablo Pineda Ferrer, der Cineasten aus ME TOO – WER WILL SCHON NORMAL SEIN? bekannt sein dürfte. Ferrer, der als erster Europäer mit Down-Syndrom einen Hochschulabschluß geschafft hat, betont, daß im Lernprozeß alle profitieren: Er versteht Bildung nicht als Einbahnstraße, sondern als Austausch auf freiwilliger Basis. Bildung kann man nicht erzwingen, wie auch der Hirnforscher Gerald Hüther betont, man kann nur Angebote machen.

Diese elementare Einsicht geht im Film selbst manchmal verloren, denn Wagenhofer baut mit Hilfe seiner Gesprächspartner eine so lückenlose Argumentationskette auf, daß sich beim Zuschauenden leicht ein Gefühl der Überwältigung breitmacht. Das ist insofern schade, als daß seine pointierte Bildungskritik durchaus ein paar kompetente Gegenstimmen vertragen hätte, ohne deshalb weniger überzeugend zu sein.

[ Luc-Carolin Ziemann ] Carolin hat ein großes Faible für Dokumentarfilme, liebt aber auch gut gespielte, untergründige Independents und ins Surreale tendierende Geschichten, Kurzfilme und intensive Kammerspiele. Schwer haben es historische Kostümschinken, Actionfilme, Thriller und Liebeskomödien ... aber einen Versuch ist ihr (fast) jeder Film wert.

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