Originaltitel: AMADOR

Spanien 2010, 110 min
FSK 6
Verleih: Alamode

Genre: Poesie, Tragikomödie

Darsteller: Magaly Solier, Celso Bugallo

Regie: Fernando León de Aranoa

Kinostart: 07.06.12

4 Bewertungen

Amador und Marcelas Rosen

Das Leben, der Tod und die Blumen

Marcelas Leben gleicht einem Puzzle, von dem sie nicht weiß, welches Bild es am Ende ergeben soll: Eigentlich will sie ihren Freund Nelson verlassen, doch justament dann stellt sie fest, daß sie schwanger ist. Also zurück in die kleine Wohnung am Stadtrand von Madrid und den Abschiedsbrief zerrissen. Nelson bemerkt von alldem nichts, ist mit dem neuen riesigen Kühlschrank beschäftigt, der benötigt wird, um all die von der Deponie geklauten Blumen zu lagern, die er dann auf der Straße verkauft.

Vor Jahren waren Marcela und Nelson aus Südamerika nach Spanien aufgebrochen, um hier ein besseres Leben zu finden, doch diese Verheißung hat sich nicht erfüllt. So nimmt Marcela einen Job als Altenpflegerin bei einer spanischen Familie an. Bei ihrem Pflegling, dem alten Amador, trifft sie auf Verständnis und Anteilnahme, doch sein plötzlicher Tod zerstört alsbald diese kleine Zuflucht. Aber warum sollte der Tod unwiderruflich das Ende aller Dinge bedeuten?

Regisseur Fernando León de Aranoa hat mit AMADOR eine fein austarierte Tragikomödie geschaffen. Wie auch schon in seinen Filmen MONTAGS IN DER SONNE und PRINCESAS nimmt er das Leben der Leute am gesellschaftlichen Rand in den Blick, die oft weder ein noch aus wissen und sich dann mit einem aus der Not geborenen schwarzen Humor über den Tag retten. Madrid ist hier eine sepiafarbene, gesichtslose Vorstadtwüste, in der einzig Marcelas Rosen einen erfrischenden Farbpunkt setzen. In dieser unwirtlichen Umgebung bewegt sich Magaly Solier als Marcela mit der langsamen Zögerlichkeit eines Menschen, der dort nicht hingehört. International bekannt wurde die Schauspielerin aus dem Volk der Quechua durch ihre Hauptrolle in Claudia Llosas Film EINE PERLE EWIGKEIT, der 2009 den Goldenen Berlinale-Bären gewann. Ihre Rolle in Aranoas Film ist ähnlich angelegt, wiederum verkörpert sie mit einer starken Präsenz eine verschlossene, unsichere Frau, die es Schritt für Schritt schafft, sich dem Leben zu öffnen. Und hinter deren stoischer Fassade immer wieder ein schelmischer Humor aufblitzt.

Aranoa nimmt sich Zeit für seine Geschichte und für seine Bilder. Das Leben besteht zum Großteil aus den immer wiederkehrenden Alltagshandlungen, die uns Stütze und Gefängnis zugleich sind. Überhaupt ist AMADOR ein Film über die großen Dinge des Lebens – Liebe, Geburt, Tod, Freundschaft – in den vermeintlich kleinen Alltäglichkeiten. Und das wiederum ist eine große Kunst.

[ Dörthe Gromes ]

Lesezeichen:

Ersten Kommentar schreiben zur Rezension oder zum Film




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.