Originaltitel: AMERICAN HARDCORE

USA 2006, 98 min
Verleih: Kinostar

Genre: Dokumentation, Musik

Stab:
Regie: Paul Rachman
Drehbuch: Steven Blush

Kinostart: 11.01.07

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American Hardcore

Mit Highspeed in die 80er

Es galt noch härter, noch schneller, noch weiter weg vom Rock’n’Roll zu sein. Der Punk, zunehmend kommerzialisiert, hatte Anfang der 80er als Gegenbewegung ausgedient, und eine neue mußte her: der Hardcore-Punk. Hochburgen waren zunächst Los Angeles und San Francisco, die Ostküste folgte mit Boston und Washington, D.C., und schließlich war auch das Landesinnere der USA erreicht. New York hing etwas hinterher.

Regisseur Paul Rachman und Autor Steven Blush (ein gleichnamiges Buch liegt vor), selbst Insider der Szene, haben unzählige O-Töne und reichlich Bildmaterial zusammengetragen. In der ersten Hälfte legt der Film auch ein Tempo vor, als wolle er es dem Hardcore-Punk gleichtun. Interviewsequenzen, Amateurvideos von Konzerten, Personen-, Orts- und Bandnamen fliegen einem nur so um die Ohren: Minor Threat, Blag Flag, SSD, 7 Seconds, Bad Brains ... AMERICAN HARDCORE porträtiert eine stilistisch wie ideologisch durchaus vielfältige Szene und sucht in ihr ein Ganzes. Gemeinsamkeiten finden sich dann auch in der angestrebten Unabhängigkeit von äußeren Einflüssen, von der Gesellschaft, von der Musikindustrie, im Postulat der inneren Einstellung, in der Auseinandersetzung mit Moral und Politik. Antikapitalismus, Antirassismus und Antisexismus werden als die Grundpfeiler dargestellt, Do it Yourself! und Straight Edge als die prägenden Begriffe und Ausdruck eines Lebensstils.

Rachmann und Blush dokumentieren, wie sich das eigene Credo in der Szene umsetzen ließ: Der erste Take zählte, womit auch die Aufnahme stand, die Tonträger wurden selbst produziert, eigene Labels gegründet, Konzerte ohne Booker organisiert. Spielstätten waren kleine Clubs, Wohnungen, Hinterhöfe. Aber die Filmemacher inszenieren auch, z.B. ein erstes Wiedersehen der Musiker von Descontrol nach 18 Jahren.

Im zweiten Teil verliert AMERICAN HARDCORE dann deutlich an Tempo, konzentriert sich eine Zeitlang auf die Bad Brains, die einzige Band der Szene mit schwarzen Musikern, um dann mit ein paar "Last Show"-Sequenzen endgültig abzubremsen. Kritische Anmerkungen, so über Probleme mit rechten Skins, fehlen genauso wie Verweise auf das musikalische Erbe der Do-it-yourself-Teenager. Deswegen bleibt ein Gefühl von Unvollständigkeit, auch wenn das letzte Statement ganz trefflich plaziert ist. Es lautet: "It’s Over! Go Home!"

[ Jane Wegewitz ] Für Jane ist das Kino ein Ort der Ideen, ein Haus der Filmkunst, die in „Licht-Schrift“ von solchen schreibt. Früh lehrten sie dies Arbeiten von Georges Méliès, Friedrich W. Murnau, Marcel Duchamp und Man Ray, Henri-Georges Clouzot, Jean-Luc Godard, Sidney Lumet, Andrei A. Tarkowski, Ingmar Bergman, Sergio Leone, Rainer W. Fassbinder, Margarethe v. Trotta, Aki Kaurismäki und Helke Misselwitz. Letzte nachhaltige Kinoerlebnisse verdankt Jane Gus Van Sant, Jim Jarmusch, Jeff Nichols, Ulrich Seidl, James Benning, Béla Tarr, Volker Koepp, Hubert Sauper, Nikolaus Geyrhalter, Thierry Michel, Christian Petzold und Kim Ki-duk.

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